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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 5)

, ganz kleinen Pin- 
Stil ist etwas Mo- 
dernes, das über 
Byzanz in die 
Welt gekommen. 
Die emailartige 
Malerei zeigt 
außer den Zier- 
motiven stilisierte 
Figuren in reichen 
Gewändern, mit 
eingesetzten Edel- 
steinen. Die Ar- 
beit, mit lauter 
seln, ist ungemein 
mühsam. An an- 
derweitiger Pla- 
stik sieht man 
gewisse Bronze- 
reliefs, nackte Fi- 
guren, auf einem 
Grund von grie- 
chischem Mar- 
mor. Und zwar 
sind die Figuren 
auf eine Bronzeplatte aufgesetzt, die als fester Untergrund dient, und die 
Zwischenräume sind mit dem ausgeschnittenen Marmor ausgefüllt. Also, 
wie meistens, auch wieder der Reiz eines technischen Verfahrens. Die 
farbigen Kartons zu den Merlin-Intarsien für Saint Louis schlagen wieder 
eine andere Note an; und eine ganz andere die Farbenskizze zu dem großen, 
von der Kommune Wien bestellten Bilde für die heurige Londoner Aus- 
stellung. Es sollte ein Stück recht urwienerischen Volkslebens darstellen, 
und dazu war ja Engelhart der geborene Mann. Er wählte sich eine Volks- 
sängerszene in einem Simmeringer Lokal, das er natürlich aus dem tiefsten 
Grunde studiert hat. Er wurde dort vor allem Stammgast und freundete 
sich mit jedem einzelnen „Künstler" und auch etlichen Gästen dermaßen 
an, daß sie ihm „aus Freundschaf " saßen, wozu der selbstbewußte Mann 
aus dem Volke für Geld kaum zu haben ist. Das Lokal ist von herber 
Faschingsstimmung erfüllt. Es besteht aus einem vorderen und einem 
hinteren Raume. Der vordere hat eine gelbliche, der hintere eine grünliche 
Tapete; beide Farben haben sichtlich bessere und schlechtere Tage gesehen 
und stehen in einer Art harmonischem Zankverhältnis zueinander. Über 
dem trennenden Mauerbogen in der Mitte hängt ein altväterisches, grünes 
Vogelhäusl, bei dem von rechts und links verstaubte, grüne Reisiggewinde 
 
Josef Engelhart, Der Harlenist. Koloriene Kohlenzeichnung. Mit Genehmigung 
der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart
	        

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