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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 5)

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KLEINE NACHRICHTEN Sh 
US DEM BERLINER KÜNSTLEBEN. Im Schutze des hoch und steil auf- 
ragenden, an die Wahrzeichen alter belgischer Städte erinnernden Belfriedturmes 
begibt sich ein dekoratives Gastspiel im Charlottenburger Rathaus. 
Die Gruppe Berliner Künstler und Architekten, die sich unter dem Namen Werkring 
zu einer Art „Guild ofArts and Handicrafts" zusammengetan, bringt hier nach ihrer ersten 
Vorstellung in der vorjährigen Kunstausstellung eine reichere und mannigfaltigere Dar- 
bietung ihrer kulturellen Arbeit in die Öffentlichkeit. 
Ein Mißliches haben solche improvisierten, nur auf kurze Zeit berechneten Aus- 
stellungen immer. 
Sie müssen ihr Hauptgewicht auf das Einzelstück oder auf die Möbelgruppe legen, 
jedenfalls auf das Detail, während doch - wie es zum Beispiel auch die Wiener Werk- 
stätte konsequent betont - das wahre Ziel moderner angewandter Kunst in der Lösung 
eigenartiger behaglicher Raumaufgaben liegt. Das Gesamtkunstwerk des Raumes in seiner 
die Monotonie der vier Kastenwände überwindenden Gliederung, mit seinen nicht nur 
eingesetzten, sondern organisch, architektonisch entwickelten Türen und Fenstern, seiner 
farbig abgetönten Wand- und Deckenstimmung - das ist die Hauptsache. Diesen 
vernachlässigten Rahmen auszubilden, scheint heute dringender notwendig als Möbel und 
Kleinkunstwerke zu produzieren. Das Kriterium eines gelungenen wohnlichen Raumes ist,
	        

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