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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 10)

 
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neben anderen Sorten angedeutet, darunter das mur- 
rinische aus der Gottesstadt Theben, aus Diospolis, 
dem uralten Sitze der Glasindustrie. Es bleibt aber 
zweifelhaft, 0b Arrian die Murrinen selbst für Glas hält 
oder von murrinischem Glase im Sinne einer Nach- 
ahmung der Murra in buntfarbigem Glase spricht. 
Auch Pausanias erwähnt die Murrinen in einer 
Fassung, welche schließen läßt, daß er sie stofflich dem 
Glase verwandt glaubt. Sie wird in der bereits früher 
wiedergegebenen Stelle ebenso wie öaloq, das durch- 
sichtige farbige, und xpucrdltlog, das durchsichtige farb- 
lose Glas als ein Produkt aus Stein erklärt. 
Im Grunde kann also Thiersch nur zwei Quellen 
für seine Ansicht, daß die Murrinen in Glas nachge- 
Angjkgg Ngaglg5_ Fan," in macht worden seien, in Anspruch nehmen, den Satz 
Smßbwß (bei d" EWS" des Plinius über die Farben des Glases und den des 
"wg X870 verschwunden) Arrian, wenn diese auch nicht sehr deutlich sind. Trotz- 
dem behaupte ich, daß er vollkommen im Recht ist, wenn er glaubt, daß Mur- 
rinen in Glas hergestellt wurden. Dies eine wenigstens geht aus Plinius sowohl 
wie aus Arrian klar hervor, wenn man bei deren zuletzt zitierten Nachrichten 
auch darüber in Zweifel bleibt, 0b es außer gläsernen Murrinen auch andere 
gegeben habe. Ich gehe aber weiter und glaube, daß es überhaupt keine anderen 
als gläserne Murrinen gegeben habe und daß es ein mäßiges Unterfangen sei, 
nach irgend einem Edel- oder Halbedelstein oder einem anderen Stoff zu 
forschen, der die hochgeschätzten Prachtgefäße des Altertums geliefert hat. 
Es kann doch kaum angenommen werden, daß von den großen Mengen 
von Murrinen, welche seit Pompejus in Rom zusammenströmten, sich nicht 
einmal ein kleines Bruchstück bis auf unsere Tage erhalten haben sollte. 
Während man bei Porzellan, Speckstein, Onyxgefäßen umherirrte, ließ man 
Hunderte von wohlerhaltenen Gefäßen und zahllose Scherben von solchen 
unbeachtet, die sich im ganzen Bereich der antiken Welt, in jedem bedeuten- 
deren Museum vorfinden, auf welche die Beschreibung des Plinius, die An- 
deutungen anderer alter Autoren vollkommen passen, die wir alle kennen und 
schätzen, aber mit keinem klassischen Namen zu benennen wissen. Wir 
behelfen uns mit einer, nicht einmal ihr Wesen, sondern nur eine kleine 
Spielart kennzeichnenden Bezeichnung, die in der italienischen Renaissance 
entstand, als man die antiken Originale nachzuahmen begann. - Wir 
nennen sie Milletiori. 
Es ist, als hätte man den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. 
Anstatt den Versuch zu machen, für eine weitverbreitete und vielbewunderte 
Klasse von Denkmälern in der alten Literatur den entsprechenden Namen 
herauszufinden, verfolgte man den entgegengesetzten Weg und wollte für 
den Namen eine neue unbekannte Sorte von Denkmälern schaffen. Obwohl 
die Unzuverlässigkeit des Plinius in technischen Fragen schon längst bekannt
	        

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