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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 10)

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der Wiederaufnahme der Rokokoformen 
wieder zur Herrschaft gelangen, seit der 
eigentlichen Rokokozeit nicht verloren 
gegangen waren und daß nebenher eine 
starke Strömung sich geltend macht, 
die ausdem wiedererwachtenNationalbe- 
wußtsein heraus eine national deutsche 
Kultur schaffen will. 
Zu den hier abgebildeten Möbel- 
Stücken mögen nur wenige Bemerkungen 
hinzugefügt werden: Es sind vorzüglich 
Möbel, die aus Mahagoni sehr präzise 
gearbeitet und mit Bronzebeschlägen 
verziert sind. 
Nur ein Schubladekasten und ein 
doppeltüriger Schrank zeigen Appliken 
und figürlichen Schmuck aus vergol- 
detem Holze, eine Technik, in der 
auch der Empireluster mit drei die 
Lichter haltenden Adlern ausgeführt Nowmm, von Ludwig Richte, 
ist und die ja in Wien besonders durch - 
Danhauser, den Vater des berühmten Malers, über den wir bereits das 
letzte Mal gesprochen haben," gepflegt wurde. 
Der Kasten auf Seite 556 verrät englischen EinHuß in der Verzierung 
durch schmale kreisrunde Stäbe, der Glaskasten auf Seite 56x ist stilistisch 
interessant durch die Art der Konstruktion derFüße, die aus asymmetrischen 
Voluten bestehen, eine Form, die sich im Empirestil allgemein vorlindet, 
wie zum Beispiel an einem Bette aus dem Jahre 1817 und an vielen anderen 
Stücken. 
Sehr schön ist auch der Glasluster auf Seite 565 mit reichen Ketten, 
Tropfen und Palmenblättern und es dürfte vielleicht von Interesse sein, zu 
erfahren, daß die Witwe Desarmand-Charpentier in Paris, die ein Geschäft 
im Palais Royal hatte, die erste war, die Kristalle mit vergoldeter Bronze ver- 
zierte. Die Kristalle bezog sie von der Manufaktur des Herrn Dartigues, der 
die rohen Stücke nach den Modellen der Madame Desarmand-Charpentier 
lieferte. 
Diese Technik fand dann ungeheure Verbreitung und große Beliebt- 
heit und brachte die reizendsten Dinge hervor, von denen einige im „Journal 
für Literatur, Kunst, Luxus und Mode" (1820) abgebildet sind. Wir sehen da 
eine ganze Einrichtung aus mit Bronze verziertem Kristallglase, Toiletten, 
Tische, ja sogar Sessel in antikisierender Form mit Sitz, Lehne und Füßen 
aus kunstvoll geschliffenem Glase, mit Bronze montiert. 
"i Kunst und Kunsthandwerk, VII, Seite 422. 
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