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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 10)

 
verursachen." Unter Fictiliis werden gewöhnlich 
Tongefäße verstanden, obwohl der Ausdruck im 
allgemeinen bildsame Stoffe aller Art, auch solche 
aus Metall und Glas, im Gegensatz zu den Fos- 
siliis, den Arbeiten aus Stein, Bernstein, Kristall 
und so weiter begreift. Aus Murra wurden außer 
Trinkgefäßen Abaci und Escaria hergestellt. Jene 
sind Spielbretter und Spieltische, aber auch Prunk- 
tische, die zum Aufstellen von kostbarem Geräte 
dienten und mit Platten aus Murra bekleidet waren, 
diese Speisegerätschaften aller Art, Schüsseln, 
Teller, Näpfe und dergleichen. Aber auch zu Anm" Glasschale F" Pmvimial- 
.. . museums In Trier 
großeren Arbeiten verwendete man Murra, nach 
Sidonius Apollinaris formte man aus ihr sogar Türßügel, das heißt, man ver- 
sah solche mit farbigen Einlagen aus diesem Stoff, im Verein mit kostbaren 
Steinsorten: „Portas chrysolithi fulvus diffulgerat ardor murrina, sardonices, 
amethystus, iberus, iaspis Indus, chalcidicus Scythicus, beryllus, achates. 
Attollunt duplices argenti cardine valvasß" 
Wenn Sidonius die Murra demnach für eine edle Steinart zu halten 
scheint, befindet er sich mit Plinius in Übereinstimmung, der sie für ein 
Naturprodukt hält, das wie der Kristall bergmännisch gewonnen wird. 
„Murrina ex eadem tellure et crystallina effodimus, quibus pretium faceret 
ipsa fragilitas. Hoc argumentum opum, haec vera luxuria gloria existimata 
est, habere quod posset statim perire totum.""'" Sie wird aus der Erde aus- 
gegraben wie Kristall und ist ebenso gebrechlich wie dieser, was sehr zu 
ihrer Wertschätzung beiträgt. Ihre Entstehung denkt er sich aus einer 
flüssigen Masse, welche unter dem EinHuß der Wärme des Erdinnern 
allmählich erhärtet und in starren Zustand übergeht. „Humorem sub terra 
putant calore densarißi" Im Gegensatz dazu bilde sich der Kristall durch 
Abkühlung eines ursprünglich gleichfalls Hüssigen Stoffes. „Contraria huic 
causa crystallum fecit, gelu vehementiore concretaßii" Ähnlich glaubte man, 
sich auch das Entstehen des Bernsteins erklären zu können, das Plinius un- 
gefähr ebenso schildert wie Tacitus, der in seiner Germania darüber schreibt: 
„Succus tarnen arborum esse intelligat, quia terrena quae- 
dam . . . implicata humore, mox durescente materia clau- 
dunturNi-i-T Wie in gewissen unwegsamen Gebieten des 
Morgenlands Weihrauch und Balsam von den Bäumen aus- 
geschwitzt wurde, so preßte nach der Ansicht der Römer 
die am Rande der Erdscheibe stärker wirkende Sonne den 
Wäldern einen Saft aus, der in das nahe Meer quoll, dort 
Verhärtete und so den festen Bernstein lieferte. Die drei in 
der antiken Welt so hochgeschätzten Produkte, die Murra, 
Antike Glasschale des 
Provinzialmuseums ' Plinius, 33, 2. - '" Sidonius Apollinaris, carmen XXI, 2a f. - "i" Plinius, 
in Trier 33, 2. - 1' Ders., 37, 8. - 1'1- D:rs., 37, g. H "H1 Tacitus, Germania, 45. 

	        

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