MAK

Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 10)

Die reizvolle und zu raffinierter Vollendung gesteigerte Tauschiertechnik, die in den 
ausgravierten Bronzegrund Silberplättchen einhämmert, eine Art Metallintarsia, kann 
man anVasen, Schalen, Tellern und Kannen studieren. DieMotive sind meist darstellerisch, 
Schilderung von Jagden, Hoffesten, stets figurenreich mit geschickter Regie komponiert. 
Elfenbein- und Lederarbeiten, GläsenBuchmalereien sind in ausgewählten Stücken ver- 
treten. Besondere Kostbarkeit stellt das Skizzenbuch des persischen Künstlers Riza Abbasi 
aus dem Anfang des XVII. Jahrhunderts dar. 
Schließlich die vorderasiatischen Teppiche. Hier hat sich Bode selbst als opfer- 
freudiger Spender betätigt. Er hat eine große Anzahl seltener Stücke aus seinem Besitz 
hergegeben. Und diese Teppichkollektion ist nun die wirkliche Illustration zu der aufschluß- 
reichen und kenntnistiefen Monographie, die Bode über die vorderasiatischen Knüpf- 
teppiche geschrieben. Hier sieht man viele Originale der Bilder jenes Buches wieder. 
Jener Familie der Tierteppiche, die aus der Periode der Saßidendynastie stammt, 
begegnet man. Chinesische Einflüsse charakterisieren sie. Die chinesischen Fabeltiere, der 
Phönix, der Kilin, die Drachen erscheinen, die Wolkenbänder, das buddhistische Kegel- 
omament. Der berühmteste Sproß dieser Familie, der Jagdteppich mit lachsfarbenem 
blumendurchrankten Grund mit Reitern zwischen Hasen, Füchsen, Antilopen, Wild- 
schweinen, befindet sich bekanntlich im Besitz des österreichischen Kaiserhauses. 
Wie eine Sammlung aller chinesisch-persischen Leitmotive wirkt der große wollene 
Tierteppich, der aus einer Genueser Synagoge in den Besitz des Kaiser Friedrich-Museums 
kam. Das Innenfeld gleicht hier einem Wald von Blumen, Sträuchern und Bäumen: 
Platanen, Zypressen und Mispeln. Auf weißem Grunde blühen sie auf und in diesem 
Garten wimmelt es von Tieren. Ein Eden, aus verschiedenen Kulturen gemischt, ist er. Die 
chinesischen Fabelgeschöpfe, die sich vereinzelt auf den anderen Teppichen fanden, 
erscheinen hier in Gemeinschaft und sie geben sich ein Stelldichein mit den Tieren Vorder- 
asiens. Grasend und nach einander äugend sind sie dargestellt. An den Zypressen lauern 
züngelnde Drachen. Löwe, Panther, Stiere, Steinböcke, Schakale und Hunde umschleichen 
sich; Affen und Vögel schaukeln auf den Bäumen, in den Zweigen. Kraniche, das chine- 
sische Symbol der Unsterblichkeit, schreiten und iiattern im Mittelfeld zwischen lang- 
gezogenen Wolkenbändern. 
Ferner sieht man Proben einer nicht weniger edlen Familie, der sogenannten Polen- 
teppiche. Sie sind aus Seide, auf einem Grund von Silber- und Goldfäden gearbeitet. 
Statt desTierdekors zeigen sie Pfianzenschmuck. Und zwar herrscht hier jenes in der Kunst 
des Orients so beliebte Motiv des schmalen ausgeschwungenen Palmenblattes vor, das 
Bode mit einer Partisane vergleicht. Dazu kommen päonienartige Blumen, Piirsichblüten, 
Wolkenbänder und auf dem Boden zieht sich ein zackiges, an maurische Architektur 
erinnerndes Zinnen-Ornament. Malerisch, leuchtend von Farben, wirken diese Knüpfereien; 
hochgeschoren sind sie, in tiefem Grunde liegen die Gold- und Silberfäden, zart und hell 
schimmern die Töne und ein Lichteriiuten wallt über die Fläche. Felix Poppenberg 
MITTEILUNGEN AUS DEM K. K. ÖSTER- 
REICHISCHEN MUSEUM 50' 
IBLIOTI-IEK DES MUSEUMS. Vom 2x. Oktober bis 20. März ist die Biblio- 
thek des Museums wie alljährlich, anWochentagen - mit Ausnahme des Montags - 
von 9-1 Uhr und von 6-8 I], Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9- x Uhr geöffnet. 
ESÜCH DES MÜSEUMS. Die Sammlungen des Museums wurden in den M0- 
naten August und September von 7065, die Bibliothek von 2037 Personen besucht.
	        

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