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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 11)

ZUR GESCHICHTE DER WIENER HOFBURGSQ 
VON MORIZ DREGER-WIEN S0 
EIT Jahrhunderten führt an der alten Burg, dem 
jetzigen Schweizerhofe, vorbei in derVerlängerung 
des Kohlmarktes eine Straße gegen die Vorstadt 
zu (Abbildung auf Seite 608). Als (gegen 1670) 
der sogenannte Leopoldinische Trakt der Burg 
errichtet wurde, leitete man diese Straße mittels 
einiger Schwibbogen durch ihn hindurch, ungefähr 
i so, wie sie noch heute zu sehen ist. An der Seite 
gegen die Stadt zu war der allmählich ent- 
standene große Burghof durch ein einfaches Tor 
geschlossen, an dessen Stelle 1712 die nach 
Hildebrandts Entwürfen errichtete „Carolinische Triumphpforte" trat; ein 
anderes Tor führte am anderen Ende derselben Hofseite in die Schaufier- 
gasse (vergleiche Abbildung auf Seite 609)." 
Mit der „Carolinischen Triumphpforte" war zum ersten Male der 
Gedanke zum Ausdrucke gelangt, dem bereits weit ausgedehnten Burg- 
Komplexe einen gemeinsamen, der Bedeutung eines Kaisersitzes würdigen 
Zugang und gewissermaßen einen künstlerischen Zusammenhalt zu geben, 
ein Gedanke, den man seither nicht mehr verlassen hat und wiederholt 
zu verwirklichen suchte. 
Dieser erste künstlerische Torbau bestand allerdings nicht lange; er 
mußte dem Neubaue oder vielmehr dem Umbaue des Reichskanzlei- und 
I-Iofkammergebäudes, das sich nun über die ganze Länge des Hofes aus- 
dehnte, weichen. Es erscheint das Tor nun in die neue I-Ioffront selbst 
eingeschlossen und erhält in dem anderen Zugange an der Schauflergasse 
ein künstlerisch gleichwertiges Gegenstück. Wie die Abbildung auf Seite 6x1 
zeigt, sind die Tore gegen den Hof zu später ganz gleich gestaltet worden; 
außen ergab sich aber eine verschiedene Behandlung durch die verschiedene 
Lage der anstoßenden Straßen und die verschiedene Grundrißgestaltung 
der angrenzenden Bauteile ganz von selbst. 
Beiläufig bemerkt, war es für einen Architekten und gewiß nicht 
weniger für einen Bauherrn der Barockzeit etwas ganz selbstverständliches, 
daß man in dem Hofe nicht eine einzige Prachtfassade errichten, sondern 
alle Seiten einander entsprechend ausgestalten wollte. In der Tat zeigt uns 
auch die hier auf (Seite 611) wiedergegebene Ansicht die Ansätze der erneut 
gedachten Schmalseiten, die aber nie so ausgeführt wurden. 
Wir kehren jedoch zu dem wirklich Bestehenden zurück. Außerhalb 
beider Haupttore der Reichskanzlei liegt zunächst ein achteckiger Raum 
und vor dem nach dem Kohlmarkte zu, ein erst 1893 vollendeter Kreisbau 
mit acht mächtigen Bogenstellungen; von diesen sind, wie man aus den 
' Vergleiche Realis (Coeckelbergh-Dützele) „Die k. k. Burg in Wien", Wien, 1846. Seite 74. 
 
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