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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 11)

Zweifel an der Urheberschaft jadots beheben. Es ist der Stil der fort- 
geschrittenen Pariser Kunst jener Tage. 
Der Umstand, das Jadot erst im Jahre 1750 zum Hofbauinspektor 
ernannt wurde, schließt natürlich nicht aus, daß er schon früher einen 
Plan ausarbeitete, vielleicht schon 1745, wie bei einem von Aman wieder- 
gegebenen Plane in Jadots Art erwähnt ist; der Künstler war, wie gesagt, 
sicher schon lange vorher für den Hof beschäftigt. 
Das Wichtigste an dem Entwurfe Jadots ist für uns natürlich wieder 
die Front gegen den Michaelerplatz; beiläufig sei erwähnt, daß sie in dem 
abgebildeten Entwurfe auf einem eigenen Stück Papier gezeichnet und an 
Stelle eines ausgeschnittenen Teiles eingeklebt ist - man sieht, wie sehr 
gerade in diesem Punkte die Ideen wechselten. Die Mitte hat drei Achsen, 
die Teile zur Seite haben je fünf. Die Einschwingung ist sehr stark; es bleibt 
deshalb nur verhältnismäßig wenig Tiefe in der Mitte und schon darum ist 
an einen Rundbau hier nicht zu denken. 
Das Tor führt durch die Längsmitte des nach links erweitert gedachten 
Hofes; der öffentliche Verkehr ist, wie offenbar auch schon bei früheren 
Plänen, von der Burg selbst abgeleitet und führt durch die SchauHergasse 
zu einem neuen Stadttore. 
Wir werden dabei an die Worte ]. Bas. Küchelbeckers (a. a. O. Seite 620) 
erinnert: „Nahe bey derselben (der Burgwache) gehet ein ordentliches Stadt- 
Thor, das Burg-Thor genannt, unter denen Kayserlichen Apartemens oder 
Zimmern, hinaus, welches ebenfalls wegen der vielen Wagen, und andrer 
starken Passage, eine grosse Incommodite ist." 
Auf dem einen der Pläne Pacassis, über die noch kurz gesprochen 
werden soll, ist das neue Tor auch tatsächlich angegeben. 
Außerordentlich bemerkenswert ist die Verschiebung des großen Hofesf" 
die Ursache dazu liegt offenbar in dem Streben, die Mitte des Hofes mit dem 
Torbau gegen den Michaelerplatz, der allmählich der Angelpunkt der ganzen 
Anlage geworden ist, in Einklang zu bringen. 
Wenn man je an eine Mittelkuppel dachte, nie wäre sie so berechtigt 
gewesen wie jetzt, wo sie zugleich nach dem Hofe hin hätte wirken können, 
während sie früher _ vom Hofe aus gesehen e als exzentrisch hätte stören 
müssen; aber gerade jetzt ist nicht nur die Rotunde geschwunden, sondern 
auch eine Mittelkuppel nachweisbar ausgeschlossen. 
Es ist mir nämlich gelungen, für den hier besprochenen Plan Jadots 
den Fassadenentwurf in einer an sich ganz unscheinbaren Zeichnung der 
Wiener Städtischen Sammlung nachweisen zu können. 
Ich habe bereits erwähnt, daß gerade der Teil des Planes, der die 
eingeschwungene Fassade zeigt, an die Stelle eines ausgeschnittenen Stückes 
nachträglich eingesetzt worden ist; bei der Umänderung, die wohl rasch vor 
sich gehen sollte, ist die Innengliederung des Bauteiles, die wir jedoch an 
"f Diese Idee ist auch von dem größten später an der Hofburg tätigen Architekten, Van der Nüll, in seinen 
Entwürfen wieder aufgenommen worden.
	        

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