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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 11)

Ausführung der Plan wieder wandelt, wie gegen- 
über den großen, auf südlicher Grundlage ruhenden, 
Formen der „klassisch" französischen Richtung 
sich wieder mehr rein nordisches und, wenn wir so 
sagen können, mehr zeitgemäßes Empfinden gel- 
tend macht, wie durch die Kuppeln nun die Dach- 
silhouette ihre Ausbildung erfährt und wie dies 
offenbar noch unter der Leitung des jüngeren 
Fischer von Erlach erfolgt ist. Wenn die Zelt- 
kuppel, wie sie auf der Reitschulecke erscheint, 
auch gerade nicht als unbedingte Neuerfindung 
gelten kann, so darf man doch sagen, daß sie viel- 
leicht die schönste Ausgestaltung dieser Form 
darstellt. Gleichzeitig mit der Änderung des Daches 
wurde - wie wir zum Teile an der Ausführung, 
besonders aber an einer alten Zeichnung, be- 
merken konnten - die Front selbst durch die 
Änderung der Fenster, der Krönungen des Simses 
und wohl auch schon durch die Verringerung der 
Torhöhe im Sinne einer Mäßigung der barocken 
Ideen umgestaltet. Sodann sehen wir, wie beijadot, 
der in gewissem Sinne den Abschluß der Bauent- 
wicklung und des steigenden Einflusses franzö- Die National compemm 1905 
sischer Kunst darstellt (und bei Paccassi), nun die Lily Humm, sunduland, Bei 
Rotundehinterdem eigentlichen Tore verschwindet, m1" V4" 
dafür aber das Tor selbst für den ganzen Innenbau richtunggebend wird. 
Eine Ansicht aus dieser Zeit zeigt die Fassade nur mit den Seiten- nicht 
mit einer Mittelkuppel. Diese tritt erst in einer späteren Periode hinzu 
und bereitet so jenes Bild vor, das wir heute zu sehen gewohnt sind. 
Wir können somit bei allen Schwankungen im einzelnen eine durchaus 
organische Entwicklung an dem Burgbaue bemerken und was diese Ent- 
wicklung besonders wichtig macht, ist, daß es die Entwicklung der öster- 
reichischen Kunst jener Zeit überhaupt ist. 
Wenn die Burg auch nie nach einem der großen Pläne wirklich ganz 
ausgeführt wurde, so war doch immer - bis auf unsere Tage H- ein großer 
Baugedanke lebendig und hat, wie es auch beim Louvre, der Peters- 
kirche oder der Stephanskirche geschehen ist, zwar keinen streng einheit- 
lichen, aber doch einen organisch gewordenen Bau geschaffen, einen Bau, 
der von Kraft und Schönheit der verschiedensten Zeiten zu berichten weiß 
und eine Fülle der Gedanken und Gefühle wachzurufen vermag. 
Vielleicht wird es auch möglich sein, diesem vorläufigen Berichte eine 
ausführlichere Würdigung und Wiedergabe der erhaltenen Entwürfe folgen 
zu lassen, so daß man in die großen Überlieferungen noch klareren Einblick 
zu gewinnen vermag. 

	        

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