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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 12)

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Aber das Wesentlichste in der 
Veränderung der Zustände liegt wohl 
darin, daß die Utopie von damals heute L u n d b O   
als ein Programm der nächsten Zukunft Pg ffu m e 5 
verkündet werden kann und daß die 
ganze Behandlung der Frage nicht mehr 
mit dem Zweifel an das Gelingen ver- 
knüpft ist, sondern bereits auf die Er- 
reichung einer möglichstvollkommenen 
Lösung gerichtet ist. 
Es sei uns gestattet, hier eine Stelle 
aus Eitelbergers Schrift einzuschalten, 
die auch der modernen Veröffentlichung 
als Motto dienen könnte: 
„Wir schlagen den Besitz eines 
eigenen Hauses für die Bedeutung der 
Familie außerordentlich hoch an; denn 
wir sagen, daß die sittliche und geistige 
Kraft des Familienlebens geknickt ist, 
wo ihm der heimatliche Boden des 
Wohnhauses fehlt und wir glauben, 
daß es der Anstrengung unserer besten 
Kräfte und der Erwägungen unserer 
wahren Patrioten würdig ist, der Fa- 
milie, wie sie ist, zu ihrem uralten Rechte, dem Rechte einer heimatlichen 
Wohnung zu verhelfen." 
Das ist der Kernpunkt der ganzen Frage, wie sie heute noch liegt und 
heute noch von denen aufgefaßt wird, die es ernst mit der Kunstförderung 
und der Kulturförderung meinen. 
Die Erscheinung der großen Isoliertheit künstlerischer Bestrebungen, 
ihrer Entfremdung vom täglichen Leben, ihrer geringen Resonanz in den 
Kreisen der Intelligenz hat ja ebenfalls eine ihrer Wurzeln in der Unsicherheit 
der Wohnungsverhältnisse. Es wird ja auch die Vererbung beweglichen 
Besitzes, die Weiterführung einer Tradition in den Wohnsitten, in der 
Ausgestaltung des Heims durch die Mietwohnung illusorisch. Der rasche 
Wechsel des Besitzes zerstört die Liebe zu den Dingen, die uns umgeben. 
Und diese Liebe ist das Lebenselement jeder Kunstförderung. 
Überall sind in unserer kampfreichen, Fieberhaft tätigen Zeit die 
Menschen in bedenklicher Minderzahl, welche ihr Leben von innen heraus 
zu gestalten trachten, zu gestalten vermögen. Überall sind noch immer die 
Verhältnisse zwingend, welche die Bedürfnisse der Masse diktieren, erst die 
jüngste Zeit beginnt wieder den Wert der Individualität hoch zu stellen, sie 
in ihrer Besonderheit zu pflegen. Der Zug nach der Großstadt hat nicht 
aufgehört, das Anwachsen der großen Häusermassen, das Vorherrschen des 
 
J. H. Hinterrneister, Annonce 
91'
	        

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