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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 12)

Treffbuben zu nennen. Eines der schönsten 
Spiele dieser Zeit (Sammlung des Präsidenten 
Derville) zeigt die Könige und Damen auf reich 
geschirrten Viergespannen einherfahrend, die 
Asse sind förmliche Trophäen von Waffen und 
Fahnen, das übrige ist alles mit Festungen und 
Schlachten illustriert. Da solche Szenen beim 
Spielen störten, druckten viele das Farben- 
zeichen grell in die Mitte und oben die Ziffer. 
Andere, spätere brachten auf dem Blatte, das ja 
ein beliebiges Gemälde geworden war, oben in 
der rechten Ecke ein Miniaturbild der wirklichen 
Spielkarte an, die der Spielende im Auge behielt. 
Die des Spieles wegen Spielenden waren den 
Allotrienkarten niemals hold. Sie klammerten 
sich im Gegenteil zäh an die Typen, an denen 
sie Lehrgeld bezahlt hatten, und die Spielkarte 
wäre sehr bleibend gewesen, auch ohne gesetz- 
 
Spielkane von David Dubais. aus dem . . 
Werke von Henry D'Allemagne: Die hohe Festlegung des Typus! des Hportralt" (de 
Spielkarlßn vßm XIV- bis XX- Jahr- Paris, d'Auvergne, de Lyon u. s. w.). Diese Pa- 
hunde" tronen überlebten das nächste Jahrhundert und 
verbreiteten sich sogar in Belgien, Deutschland, Holland, zum Beispiel als 
der ins Übermaß wachsende Kartensteuerdruck zum Besten des I-Iöpital 
general die Maitres cartiers von Rouen plötzlich zur Massenauswanderung 
trieb. Das wohllöbliche Hospital zog die Stempelschraube zuzeiten so scharf 
an, daß der Verbrauch trostlos sank und dreimal tatsächlich die Abgabe- 
summe gestundet werden mußte. 
Im XVII. Jahrhundert setzten auch schon die Phantasiespiele ein im 
echten Allongenstil, mit Cyrus und Mandane, König Atabalipa (statt Atahu- 
alpa) von Peru und so weiter. Jean Rolichon ist der Cartier Louis' XIV. Dann 
Hector de Trois (Troyes), von dem sich die noch jetzt gebräuchlichen Namen 
herschreiben. Im XVIII.Jahrhundert ist der berühmte Stecher J. B. Papillon 
nicht zu stolz, ein Kartenspiel zu erschaffen; beim Treftbuben steht zu lesen: 
„Papillon sculpsit." Jedenfalls leistete er dies vor 1745, denn in diesem Jahre 
erfioß die Verordnung, daß das amtliche „portrait" ausschließlich beizube- 
halten sei. Übrigens hielt sich auch Papillon streng an das amtliche Vorbild, 
nur arbeitete er das Ganze und die Details geistreicher aus, wodurch diese 
Karte ein hübsches neues Leben gewann. (Im Buche sieht man natürlich das 
alles auch in effigie.) 
Die Revolution fuhr wie ein Sturm in die Kartenhäuser und als ihre aus- 
einander gewirbelten Blätter sich wieder besannen, sahen sie ganz anders 
aus. Alle Königlichkeit war von ihnen verschwunden. Und zwarbewerkstelligte 
man diese Metamorphose oft mit den simpelsten Mitteln, zum Beispiel man 
schnitt die Kronen einfach weg und setzte rote Mützen hin. Sogar der
	        

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