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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 12)

mit spanischen Mitteln arbeiten; man möchte sie Schwarzspanier nennen. Corinth hat 
freilich auch den Vorzug, daß er weit ab von aller Salonleckerei rumort. Nach Bonbons 
schmecken seine Sachen nicht. Er strebt ins Elementare und das ist immerhin ein Anblick. 
Von den Mitgliedern des Bundes haben einige Gutes zu bieten. Konopa hat aus der 
Bretagne hübsche landschaftliche Motive und Studienköpfe mitgebracht, helle, dünne 
Aquarellsachen, in deren Behandlung auch Pariser Modernitäten anklingen, am deutlichsten 
in der farbigen Zeichnung: „An der Aven". Kuba überrascht durch die kecke Frische, mit 
der er die grünsten Buntheiten des Sommergartens ungeniert in Szene setzt. Bamberger 
tritt in den Vordergrund mit einer (endlich einmal) nur malerisch hingestrichenen 
Stimmung aus der Kremser Landschaft, die gleichsam eine pikante Körperlosigkeit anstrebt. 
Goltz hat mehrere Herbstbilder, in denen er Erde und Himmel besonders mannigfaltig 
mengt; in die größte setzt er lebensgroß den Volksdichter A. Matosch hinein, ein sinniges 
Bildnis, dessen dunkle Masse aber luftiger moduliert sein könnte. Pöttinger bekundet in 
einem abendlichen Straßenbild und einem Volkskaffeehaus Neigung zu feinen Dunkel- 
Wirkungen. Hudecek sucht an einem reich illuminierten Abendhimmel, was er in einer 
stillen grauen Landschaft ungezwungener Findet. Baar, junk, Frank, Kahrer, auch einige 
Mitglieder des "Jungbunds" (Groß, Barth, Huck, Wodnansky) sind nicht zu übergehen. 
Im Figuralen: Hampel, Dorsch, Delitz, Fritz I-Iegenbarth, der sich nicht ohne Glück in einer 
grünlichen Delikatesse von Fleisch versucht, vom Beiwerk aber im Stich gelassen wird. 
Sehr hübsche graphische Blätter haben Simon und Kaspar. Auch die Plastik spricht an. 
Der Hellmer-Schüler Stomolak ist urgesund in seiner Büste einer stillenden Mutter, aus 
rosigem Salzburger Marmor, von trefflich benützter Stofflichkeit in rauhen und polierten 
Teilen. Fräulein v. Dutczynska erfreut einmal als Bildhauerin mit der wirklich niedlichen 
Kleinbronze: „Der kleine Bruder". Simays Affenfamilie (Bronze) ist drollig, weil ihr vor 
ihrer Menschenähnlichkeit so gar nicht bange wird. Barwig arbeitet in Holz weiter und 
setzt seine Tiere und Menschen nachgerade so zusammen, wie Kinder Gebäude aus Bau- 
kastensteinen; manchmal gelingt es zum Lachen gut. Von Heu eine gute Büste und eine 
Grabhgur St. Michael, wo er aber mit wenig Glück metznerisch zu stilisieren versucht. 
Hoffmann v. Westenhof bringt einen zierlichen, wiewohl etwas steifen Figurenfries für 
einen silbernen Champagnerkühler, der als Preis bei der Herkomer-Konkurrenz gedient 
hat. Im ganzen macht sich der „Hagen" heuer recht gut. 
ALERIE MIETHKE. Eine Gruppe Nachwuchs, die sich einstweilen „Die 
]ungen" nennt, hat bei Miethke eine sehr muntere und wirklich beachtenswerte Aus- 
stellung veranstaltet. Sie sind sämtlich aus der Kunstgewerbeschule hervorgegangen, meist 
Roller-Schiiler von vor einigen Jahren. Sie haben die Courage der jugend und das farbige 
Temperament, das nach der Matura leider einzuschrumpfen beginnt. Aber einstweilen ist 
es hübsch zuzusehen, wie so einer, dem noch die ganze Welt gehört, losgeht. Stimmung 
ist natürlich das große Wort; und Stil. Es wird auch stilisiert, so für die Fläche, plakat- 
mäßig gleichsam, noch nach Myrbachscher Tradition. So eine gelbe Kirche mit schwarz 
kostümierten Bäuerinnen davor (A. Kling) oder ein altmodisches graues Haus in grauer 
Dämmerung, mit goldgelbem Kastanienlaub dagegen (Maria Cyrenius) macht sich vor- 
trefflich. Aber auch, wc sie der Natur näher auf den Leib rücken, in detailreichen Aus- 
schnitten, die sie in irgend eine „bedeutende" Nuance tauchen (Cyrenius), wecken sie 
Interesse. Baron Robert Bach ist ein durchaus Farbiger, der in Sinfonien von absoluter 
Farbe schwärmt. Ein Mädchen rnit Katze geht im feurigsten Rot, nebst delikaten Gegen- 
farben, und zwei Ballszenen mit andeutungsweise gegebenen Figuren, deren Kleidung 
bloß Farbe zu sein scheint, das sind brillante Couleurproben. Magda v. Mautner-Markhof, 
in einem energisch hingekneteten weiblichen Rückenakt, vor heller Biedermeier-Tapete, 
faBt die Dinge mit schöner Kraft von der sonnigen Seite. Fiebiger (Landschaft und 
Radierung), Streyl, Dietl (Wanddekor), Kalvach (originell kindliche Elementarbildchen auf 
schwarzen Tafeln), dann die mit den Farbenholzschnitten (jung, Wallner und andere)
	        

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