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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 12)

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Solch technisch konstruktive Sachlichkeit in reinem Materialstil hat man sich natür- 
lich bei der romanischen Fassade nicht gestatten können, und so mußte man aus einem 
ganz unfruchtbaren Zwang heraus, die Läden in der alten Art einbauen als verglaste, große 
Löcher in der Fassade. 
Das Schiefste in dem romanischen Trio ist aber nun die Halle geworden. Auf dem 
Gelände des Zoologischen Gartens gebaut, kommt sie von vornherein mit seiner lustigen 
japanisierenden Festwiesenarchitektur in Zwiespalt, vor allem aber in Zwiespalt mit sich 
selbst. Denn die Innenräume sind große, aus Glas und Eisen gefügte Hallen, rein tech- 
nische Konstruktionen, und die romanische Fassade mit kurzstämmigen Säulenordnungen, 
Löwen und Adlern ist eben nur als eine Maskeradenatrappe vorgeklebt. Kompromittierend 
deutlich wird das besonders am Abend, wenn hinter der Kulisse zusammenhangslos ohne 
lebendige Vermittlung das mächtige, hell leuchtende I-Iallendach aus Glas und Eisenrippen 
auftaucht. 
Und diese Maskerade ist, abgesehen von ihrer Berufsverfehlung an dieser Stelle, 
nicht einmal als Sülkostüm gelungen. Man fragt sich daher doppelt, warum und wieso? 
Versetzt man sich in den Gedankengang des Entwerfers, des Baurates Gause, so ist wohl 
die Überlegung die: technische „Nüchternheiten" mit dem Schmuck und Zierrat eines 
alten Stils zu verkappen. Nun ist aber auch der alte Stil in diesen Händen phantasielos 
und nüchtern geraten und es bleibt nur der Eindruck mißverständlicher, peinlicher Schein- 
dekoration übrig. 
Öde und leer sind die Fensterbehandlungen, hellgrünes und weißes Eisglas, wie es für 
Hinterkorridore von Hotels passen mag. Seiten- und Vorderfassade haben keinen logisch- 
natürlichen Zusammenhang. Und komisch war, wie neben den hieratischen Löwen das 
Banner der Automobilausstellung hing. Dieser Anfang vervielfachte noch den Wider- 
spruchscharakter und das Zwitterhafte dieser Halle. Denn gerade die Automobile haben 
es, wie sich hier in vollendeten Beispielen zeigte, erreicht, sich zu einer äußeren aus- 
drucksstarken Formulierung zu entwickeln, die aus den technischen Bedingungen, aus 
den Gebrauchsvoraussetzungen des Fahrzeuges sich ergibt. 
Energisch akzentuiert kommt sein Charakter zur Erscheinung. Niedrig gelagert, mit 
der blanken, zwischen den Vorderrädern eingebauten Maschinerie, streckt sich der lange 
Tourenwagen. Trotz der Schwere erweckt er den Eindruck des Luftdurchschneidenden. 
Die Karosserie baut sich in allmählicher Steigerung vom Chauffeur-Parterre über das erste 
Coupee zu dem Hochsitz der ersten Etage auf. Alles Zweckdetail hat eine schmuckhaft 
wirkende Ausbildung erfahren. Die Linienführung des Wagenkastens wird parallelisiert 
durch den kurvig geführten Lauf der fazettierten Scheiben. Die blanken Metallteile, das 
Lederzeug des amerikanischen Planverdecks, die aufklappbaren Holzstellagen für das 
Gepäck auf der Rückseite mit ihrem Speichenwerk, das alles ist so zweckvoll, so auf 
Zusamrnenhangsgliederung angelegt, daß es wie alles Gemäße, in sich Richtige und 
Stimmende, auch eine ästhetische Befriedigung auslöst. 
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Im November fand in den Salons von Friedmann und Weber, die übrigens das 
Hohenzollern-Kaufhaus nach I-Iirschwalds Tod übernommen haben, eine Miniaturen- 
ausstellung statt, die kenntnisreich und klug von Dr. Fritz Wolff inszeniert war. Freilich 
gerade nach Wien wird man von Miniaturenkünsten nicht viel Neues berichten können. 
Wiener Sammler vor allen haben sich durch Hergabe ihrer Schätze um unsere Berliner 
Ausstellung verdient gemacht: Angelo von Eisner-Eisenhof, Gottfried Eißler (mit seinen 
Alts und Waldmüllers, der kaiserliche Rat Flesch mit dem interessanten Eskeles- 
Porträt von Weixlbaum und dem Altwiener Bürgerrnädchen, Dr. Anton Löw, Simon 
Ritter von Metaxa, Guido von Rhö, Alfred Straßer, um nur einige zu nennen, deren Besitz 
ja durch die Wiener Ausstellungen bekannt ist.
	        

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