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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 1)

 
Wandpartie in der Kajüte I. Klasse des neuen Bodenseedampfers „Rhein", entworfen von H. E. v. Berlepsch- 
Valendäs in PIanegg-München 
grenzen zu einem Riesenmaß der Schicksalsstimmung wächst, haben die Zeichnungen der 
Käthe Kollwitz. Eherne Griffelschrift vom menschlichen Leiden. Sie ging auf Wegen der 
Hauptmann-Welt. Ihr Weberzyklus war voll Verzweiflungsschrei und schwerer dumpfer 
Nöte. Hier sieht man von ihr Szenen aus dem Bauernkrieg von atembeklemmender 
tumultuarischer Gewalt, voll entfesselter Raserei. Eine Furia des Strichs fährt daher, 
eine Sturrngeißel peitscht den Empörungsrhythmus dieser Massen, diese zeichnerische 
Darstellung hat etwas sich Bäumendes, sie hetzt dahin wie eine apokalyptische Dämonen- 
jagd. Voll schweren Ernstes sind einige Menschenstudien. Les Miserables ist das Thema, 
die Runen der Sorge in knochigen Frauengesichtern, das versteinerte, Starre der hoffnungs- 
losen, dumpfen Ergebenheit meißelt der Stift. 
Ein Parzenblick sieht uns aus diesen Blättern an. Und er folgt uns, wenn wir vor 
Max Slevogts Zeichnung des „Totenwagens" treten. 
Wilhelm Raabes gschüdderump" kommt dabei in Erinnerung, die gräßliche Groteske 
des kollernd umgeschütteten Pestleichenkarrens mit seinem Gewirr der Glieder und Leiber 
und der schauerlichen Komik der marionettenhaft durcheinander baumelnden Arme 
und Beine. Die flackernden Schauerhumore des Nachtstücks hat Slevogts Komposition 
dämonisch getroffen und sein zeichnerischerAusdruck für diese „nature rnorte" von Leichen- 
akten, ist technisch sehr geistreich. Am lebenden Objekt variiert er dann noch einmal das 
Motiv der gerenkten Exzentrik-Gliederlinie in dem Bild der Yvette Guilbert. 
In den Bodensatz des Lebens tauchen die Großstadtskizzen von Heinrich Zille. 
Eine Suite, den Bruantschen Gassenliedern „Dans la rue" verwandt, aber im unverfälschten 
Berliner Dialekt. VerblüHend echt in der Charakteristik der Typen des Großstadt-Unkrauts. 
Die gleiche Stoffwelt suchen die Skizzen des Parisers Pascin. Doch ihm ist nicht wie 
Zille die drall-strotzige Wiedergabe des Stoffes das Wichtige und der Endzweck, er ist 
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