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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 3)

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hunderts zu setzenden geschnitzten Halbsäulen. Die beiden davon abgebildeten 
Stücke (Abb. 4 und 5) zeigendie delikate feine Zeichnung desReliefschmucks der 
Säulenschäfte, der seine Abstammung von italienischen Vorbildern um 1500 
etwa im Stile Benedetto da Rovezzanos nicht verleugnen kann; der wirk- 
samen farbigen Fassung, in der die spanischen Holzbildhauer ja anerkannte 
Meister waren, kann unsere Reproduktion nicht gerecht werden. Der Grund 
hat ein fein gekörntes Weiß, von dem sich die polychromierten und diskret 
vergoldeten Reliefschnitzereien prachtvoll abheben. 
An die Spitze der Betrachtung der eigentlichen Möbel seien die Kasten- 
möbel gestellt. Bestimmung des Kastenmöbels jeder Art ist die Aufbewahrung, 
das Umschließen von Objekten, in unserem konkreten Fall von Geräten und 
Hausrat. Wie die Behausung dem Menschen, so dient das Kastenmöbel dem 
leblosen Ding als Wohnung. Im Gegensatz zur Wohnung des höher kulti- 
vierten Menschen ist aber die Bedingung des Kastens die leichte Möglichkeit 
 
Abb. xo. Truhe aus den Ostalpenländern, um x5oo. Höhe 0,56, Breize x34, Tiefe n,65 Meter 
seiner Fortbewegung. Der Kasten ist ein Möbel im eigentlichen Sinn (von 
mobilis:beweglich hergeleitet). Die ursprünglichste Form, schon bevor der 
Mensch noch zu festem Wohnsitz gelangt, ist die Kiste, der Kasten, die Truhe 
(eines Stammes mit tragen), der Koffer. Bis an das Ende des Mittelalters ist 
der Kasten, beziehungsweise die Truhe das herrschende Aufbewahrungs- 
möbel. Die stabilere Form des Schrankes, die ihm folgt, ist aus der Nische, 
dem Wandschrank, herzuleiten. 
Die älteren Formen der Truhe im frühen und hohen Mittelalter dürfen 
wir uns als ziemlich primitive Kästen vorstellen; das ästhetische Bedürfnis 
macht sich bei den Möbeln erst spät bemerkbar. Praktische Anforderungen 
treten zuerst an die Aufbewahrungskästen heran. Einmal diejenige, durch 
Erheben der Grundfläche dieselbe widerstandsfähiger zu machen gegen 
Bodenfeuchtigkeit, tierische Schädlinge und dergleichen, dann ihnen den ent- 
sprechenden Schutz gegen unberechtigte Eingriffe durch eine eiserne Armatur 
zu geben. So entstand der Typ, der, wenn wir so sagen dürfen, diebsicheren 
Truhe des Mittelalters. Überall verbreitet, hat er verhältnismäßig am längsten
	        

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