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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 3)

dürfen mit den der gleichzeitigen Schränke als der Höhepunkt deutscher 
Schreinerarbeit vor dem völligen Sieg der Renaissance bezeichnet werden. 
Von den zahlreichen weiteren oberdeutschen, meist tirolischen Truhen, 
die aus dieser und der anschließenden Stilperiode die Figdorsche Sammlung 
enthält, ist die wiedergegebene aus Brixen stammende besonders charak- 
teristisch. Der Untersatz dieser, wie die meisten ihrer Genossinnen, in Zirben- 
holz ausgeführten Stücke zeigt das in Tirol besonders beliebte ausgestochene 
Ornament, eine ebenso einfache als in Verbindung mit kräftiger Polychro- 
mierung wirksame Holzdekoration. An den Seiten in der einfacheren, nur leicht 
konturierenden Art, vorn in dem eigenartigen vegetabilischen Ornament des 
Landes richtig ausgehobener Grund. Die tiefe Kassettierung mit den sich nach 
innen verjüngenden Profilen, die derben Nägel an den Kreuzungspunkten der 
Abb. 15. Florenlinische KaHertruhe der Familie Medici, XV. Jahrhundert. Höhe 0,48. Länge 2,10 Meter 
 
Rahmenleisten geben ein merkwürdig kraftvolles Bild, dem auch die originellen, 
derb geschnittenen Rosetten an den Seitenteilen entsprechen (Abb. n). 
Derselben Provenienz, aber annähernd ein halbes Jahrhundert später 
entstanden, ist die in Abbildung I2 wiedergegebene Truhe, bei der das schöne 
seit dem Ausgang des Mittelalters stets in das Innere gelegte Beschläg, 
hier farbig behandelt, zur Anschauung kommt. Die allgemeine Richtung 
der deutschen Schreinerkunst, ihre Fertigkeit in Nachbildung architek- 
tonischer Formen, im Aufleimen der erhabenen Teile wie der ganzen Flächen 
als Furniere, zu zeigen, tritt deutlich an diesem Beispiel zu Tage. Hand in Hand 
geht eine Farben- und Zierfreudigkeit, die leicht des Guten etwas zu viel tat 
in dem Bestreben, jeden Quadratzoll mit Schmuck zu versehen und durch 
Intarsien aus gefärbten Hölzern den Schein der Malerei zu erwecken. Die Ein- 
teilung der vorderen Schmuckseite wird meist wie hier durch Pilaster gebildet, 
zwischen denen Bogenstellungen oder Giebelaufbauten stehen. Die Bogen- 
öHnungen bieten das Hauptfeld für die Intarsienarbeit, sei es, daß diese aus 
Blumenarrangements oder perspektivischen Architekturen bestehen. An dem 
vorliegenden Stück ist in den seitlichen Feldern eine in den nördlichen Alpen-
	        

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