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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 3)

schränken. Die wirkungsvolle, dekorative Verwendung heraldischer Motive, 
die uns ja fast gänzlich verloren gegangen ist, macht diese antiquarische 
Seltenheit, die nach der Behandlung des heraldischen Beiwerks und des Laub- 
werks der Mitte des XV. Jahrhunderts entstammt, besonders kostbar. Das 
Wappen mit den drei Spechten ist das der Picchi von Borgo San Sepolcro bei 
Arezzo, und wir haben es also mit einem Ausläufer der Florentiner Früh- 
renaissance zu tun, an denen übrigens die malerische toskanische Bergstadt, 
die Heimat des Piero della Francesca, nicht arm ist. 
Wenn die Sammlung auf dem weiten Gebiet der Holzmöbel eine Lücke 
aufweist, so ist es das der Bettstellen. Außer einigen wohl weniger aus 
Sammler- als aus Gebrauchsrücksichten beschafften späteren Exemplaren ist 
diese Möbelgattung, die sich dem räumlichen Rahmen der Figdorschen 
Sammlung schwer eingegliedert hätte, nicht vertreten. 
Dagegen besitzt die Sammlung in einigen Wiegen und Krippenbetten 
kulturgeschichtlich und kunsthistorisch hervorragende Objekte. 
Ein oberitalienisches, in der Sammlung als Wiegenmodell gehendes Stück 
möchte ich für einer Krippe zugehörig halten. Die Form der Wiege mit 
dem nach unten sich verjüngenden Bettkasten, den brettförmigen in die nur 
schwach gekrümmten Wiegenkufen eingezapften Stollen böte nicht viel 
Besonderes (Abb. 48). Bemerkenswert ist hier nur die Art und Technik der 
Verzierung in vertieften geometrischen Linien, die in ihrer fast gesuchten Ein- 
fachheit an modernste Erzeugnisse erinnern. Eine Datierung des merk- 
würdigen Gerätes stößt mangels ähnlich verzierter Stücke auf einige 
Schwierigkeiten - die in Italien übliche Dekoration mit eingerieften Strichen 
verschwindet mit Beginn der Hochrenaissance -, doch dürfte die kleine 
Wiege schwerlich vor dem XVII. Jahrhundert entstanden sein. 
Der Reihe ausgezeichneter und charakteristischer französischen Möbel 
des XVI. Jahrhunderts, der wir schon begegnet sind und der wir noch weiter 
begegnen werden, gehört eine zwischen Säulen und hohem Untergestell 
hängende Wiege an (Abb. 49). Zwei dorische Säulen auf geschweiften 
Quergestellen, an Basis und Kapitell durch Querbretter verbunden, die 
ihrerseits wieder eine Bogenstellung auf Balustem zwischen sich aufnehmen, 
bilden den Unterteil, der mit den französisch-Handrischen Tischgestellen der 
Zeit eine gewisse Verwandtschaft aufweist. Die die eigentlichen Träger der 
Wiege bildenden beiden Säulen, welche in flachen gedrehten Knöpfen 
enden, stehen über den unteren Säulen. Der im Verhältnis zu seiner Länge 
etwas seichte und schmale Wiegenkasten hängt mittels Haken und Ringen 
an den Säulen. Geschmackvoll angeordnetes, flachgeschnitztes, ähnlich dem 
bekannten Monogramm von Henri II. und Diane de Poitiers gestaltetes 
Bandwerk schmückt die Außenflächen, von denen Kopf- und Fußteil 
geschweift ausgesägt sind. Die an fast allen Wiegen Europas vorkommenden 
schmalen Seitenöffnungen zum Durchstecken der Wiegenbänder, welche 
durch Zug die Schwingung der Wiege bewirken, fehlen auch hier nicht. 
Eine hübsche Analogie zu diesem Wiegengestell, vielleicht sogar die
	        

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