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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 4)

ostindische Kompagnie den ersten Freibrief; ins Jahr 160g fällt die Besetzung 
der den Spaniern abgenommenen Bermuda-Inseln und damit der Beginn 
des Entstehens englischer Staatengebilde in Nordamerika. Während des 
XVII. und XVIII. Jahrhunderts reiht sich unter fortwährenden Kämpfen, bei 
denen auch gründliche Niederlagen nicht ausblieben, eine Gebietserwerbung 
an die andere, so daß mit Ende des Jahrhunderts ein englisches Weltreich 
existierte, größer als irgend eines der vorangegangenen. Damit hängt jene 
fundamentale Umwälzung zusammen, die aus einem ackerbautreibenden 
Lande einen Industriestaat machte und eine völlig andere Richtungnahme 
der Wirtschaftspolitik bedingte. Die Entwicklung ist indes keineswegs bloß 
merkantilen Wegen gefolgt. Mit der stetigen Erweiterung der äußeren 
Machtsphäre hat die innerpolitische und geistige Schritt gehalten. Hundert 
Jahre früher als die französische Revolution das Prinzip: „L'etat c'est moi" 
durchbrach, fiel in England mit dem I-Iaupte Karls I. die Idee des Gottes- 
gnadentums; älter als J. J. Rousseaus Lehren ist die Begründung neuer 
philosophischer Anschauungen in England durch Locke; länger schon als 
in irgend einem anderen Lande i die von „Geschlechtern" damals schlecht 
regierte, dem Namen nach republikanische Schweiz nicht ausgeschlossen - 
war die Redefreiheit in England zur Tatsache geworden. Gerade diese 
Umstände wollen in Betracht gezogen sein, wo es sich um die Behandlung 
neuzeitlicher Errungenschaften handelt. 
Wer die mittelalterlichen Bauten Englands studiert, wird sich des Ein- 
drucks nicht entschlagen können, daß daran nicht bloß eine Unsumme 
künstlerischer Erfindungskraft verausgabt sei, vielmehr wirkt der dabei zu 
Tage tretende Sinn für konstruktiven Aufbau, für zweckdienliche Behandlung 
des Materials mindestens ebenso stark. Mit dem Auftreten wesentlich anders 
gearteter Entwicklungsforderungen wird all diese Intelligenz in neue Bahnen 
gelenkt, dasWort „Necessity mother of inventions" tausendfältig bewahrheitet. 
1690 schon hatte der Marburger Gelehrte Dionysius Papin aus Blois, gestützt 
auf ältere Versuche Brancas, Torricellis, Guerickes, eine durch Anwendung 
von Dampfkraft zur Hebung von Lasten in Bewegung gesetzte Vorrichtung 
erfunden, ja er fuhr wenige Jahre später auf einem durch Dampf getriebenen 
Schiffe auf der Fulda. Der Erfolg war für Deutschland gleich Null. Der 
Engländer Savery konstruierte, gestützt auf den ersten Papinschen Versuch, 
einen durch Dampfkraft betriebenen Entwässerungsapparat für Bergwerke. 
Ausschlaggebend aber wurde erst James Watts Erfindung, die Dampf- 
maschine, die eine völlige Veränderung der fabriksmäßigen Produktion 
hervorrief, ein gut Teil des Handbetriebs überflüssig machte, vor allem im 
Textilgewerbe. 1738 schon hatte Lewis Paul durch die Verbindung der von 
ihm erfundenen Streckwalzen mit den Flügelspindeln des Spinnrads die 
Spinnmaschine hergestellt, mit der er 250 Spindeln gleichzeitig in Bewegung 
setzte. Die Verbesserungen ließen nicht lange auf sich warten. Ackwright 
Hargrave (Jenny-Maschine), vor allen Crompton führten weiter ausgebildete 
Mechanismen ein, die eine nahezu ungeheuerliche Vermehrung der Spindeln
	        

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