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Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 4)

Schlafzimmer Napoleons I. in Fontainebleau 
können, die seit ihrem Entstehen im Mittelalter wenig Veränderungen er- 
fahren haben. Wir brauchen nur auf die prächtigen Veröffentlichungen über 
malerische Innenräume (Kunstschätze aus Tirol) hinzuweisen, um ein reiches 
Material an sehr belehrenden Darstellungen erhaltener Schätze der Heimat 
zu nennen. Die vielen uns erhaltenen Darstellungen auf alten Bildern, Stichen 
und Miniaturen (wie jene im Kulturhistorischen Bilderbuch und im Formen- 
schatz von I-Iirth oder die vom Kunstwart, von Muther, Bode und anderen 
publizierten), ferner die zahlreichen farbigen und plastischen Darstellungen 
auf mittelalterlichen Werken kirchlicher Kunst (wie die prächtigen Szenen 
aus dem Marien-Leben in deutschen Kirchen und den in Krakau erhaltenen 
Altären von Veit Stoß) geben ein anschauliches Bild von der allgemeinen Ge- 
stalt und Benutzungsweise mittelalterlicher Schlafräume. Wir reproduzieren 
ein solches Relief, das eine Vorstellung von einer mittelalterlichen Wochen- 
stube vermittelt, ferner ein Bild aus einem Tiroler Schloß, das ein altes 
Schlafzimmer im heutigen Zustand darstellt. 
Beide Einrichtungen, aus dem späten Mittelalter stammend, lassen eine 
sehr sichere und bewußte handwerkliche Tüchtigkeit im Verein mit einem 
entwickelten dekorativen Sinn erkennen, die trotz der nach unseren Begriffen 
noch rohen und primitiven Sitten sich glänzend entfalten konnten. Das frühe 
Mittelalter hat den Lebensluxus der späteren Epochen noch nicht gekannt. 
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