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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 4)

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Die weitgehende Spezialisierung der Raumbedürfnisse im häuslichen Leben 
war noch nicht vollzogen und so istuursprünglich für den Hausbau die ge- 
meinsame Halle noch Mittelpunkt und Ausgangsform, bei welcher die Ein- 
fügung der Unterteilungen für die intimeren und nicht gemeinsamen Bedürf- 
nisse oft nur temporärer Natur waren oder, wo sie definitiv auftraten, eine 
ziemlich bescheidene Rolle als Anbauten spielen. 
Wir haben in früheren Besprechungen bereits Gelegenheit gehabt, 
darauf hinzuweisen, daß ähnliche Verhältnisse beim niederdeutschen Bauern- 
haus sogar heute noch bestehen, daß ganz reich gebildete und künst- 
lerisch wertvolle Hausanlagen in den Vierlanden etc. den Ursprung aus dem 
ältesten Typus des Hallenhauses erkennen lassen. Gleichzeitig können wir 
darauf hinweisen, daß England in neuester Zeit bei einfachen Cottage- 
anlagen zu dieser 
Urform wieder zu- 
rückkehrt. Sehr in- 
teressante Versu- 
che in dieser Rich- 
tung stammen von 
Baillie Scott, der 
dem einräumigen 
Hallenhaus nahe 
zu kommen sucht, 
indem er gewisse 
Empfangsräume, 
das Speisezimmer, 
Arbeitsräume als 
Einbauten der ge- 
meinsamen Halle 
ausführt, die durch 
bewegliche Unter- 
teilungen gelegentlich abgeschlossen werden können. Was hier aus dern 
Wunsche entsteht, auch bei einfachsten Verhältnissen eine gewisse Groß- 
räumigkeit und künstlerische Wirkung zu erzielen, war ursprünglich aus einer 
primitiveren Lebensweise hervorgegangen, die mit einem sehr lebhaften 
Kunstgefühl vereinbar war. 
So darf es uns nicht wundernehmen, wenn auch Dürer noch das Himmel- 
bett Mariens in eine große Diele stellt, welche den verschiedenartigsten häus- 
lichen Bedürfnissen gleichzeitig zu dienen hat. 
Vielleicht ist sogar die Form des l-Iimmelbettes überhaupt aus solchen 
Verhältnissen entsprungen, weil sie dem Bett die Bedeutung einer ganzen 
Schlafkammer zu geben in der Lage war. Daß die Anwendung von textilen 
Überdeckungen und seitlichen Vorhängen sehr alten Ursprungs ist, wissen wir 
aus bildlichen Darstellungen; sie waren schon zu einer Zeit in Verwendung, 
wo am Bett selbst an einzelnen Teilen noch die antike Metalltechnik lebendig 
 
Französisches Bett aus der Epoche Louis XVI, nach Bajot
	        

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