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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 5)

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ÜBER JOHANN LUKAS VON HILDEBRANDT Sie 
VON MORIZ DREGER-WIEN Sie 
ÖRT man den Namen eines Meisters der Wiener 
Barockarchitektur nennen, so ist es meist nur der 
Fischers von Erlach. Schon bei früherer Ge- 
legenheit" habe ich übrigens hervorgehoben, daß 
man dabei fast immer die Werke und Lebens- 
ereignisse der beiden Fischer, Vater und Sohn, 
in Erinnerung hat und miteinander vermengt. 
Von dem dritten großen Barockmeister Wiens, 
I-lildebrandt, kennt man jedoch selbst in unter- 
- V richteten Kreisen eigentlich nur den Namen und 
vielleicht ein paar dürftige Zahlen und alsWerke gemeinhin nur das Belvedere 
oder allenfalls noch das früher Daunsche, jetzt Kinskysche Palais in Wien. 
Wenn Fischer von Erlachs, des älteren, Ruhm den Hildebrandts allmählich 
so sehr überstrahlt hat, so mag dies nicht zum geringsten darauf zurück- 
zuführen sein, daß Fischers Kupferstichwerk nicht nur Rekonstruktionen 
alter Werke, sondern auch seine eigenen Arbeiten enthält und damit des 
Meisters Namen in Verbindung mit bestimmten Werken erhalten hat." Doch 
liegt es mir durchaus ferne, hier untersuchen zu wollen, welchem der Meister 
höherer Ruhm gebühre. 
Es soll hier nur versucht werden, ein etwas klareres Bild vorn Schaffen 
Hildebrandts zu erlangen, wobei ich mir wohl bewußt bin, nichts Ab- 
schließendes bieten zu können, sondern eigentlich nur Anregungen. 
Vielleicht wird es aber auch gelingen, zu dem Wenigen, das die 
verdienstlichen, wenn auch manchmal etwas ungenau und unsachlich ge- 
haltenen Untersuchungen Ilgs und anderer Arbeiten zu Tage gefördert haben, 
einiges Bemerkenswerte und bisher Unbekannte hinzuzufügen."""' 
Bekannt ist die große Bedeutung, die das Romanentum im XVI. und 
XVILJahrhunderte, insbesondere auch im Zusammenhange mit der Gegen- 
reformation in den österreichischen Ländern erlangt hat. Adelige und 
Geistliche strömten aus Italien und Spanien herbei, aus Italien besonders 
auch Künstler. Wie Hajdecki nachgewiesen hat, bildeten die welschen Mit- 
glieder der Wiener bürgerlichen Maurerzunft schon seit Beginn des 
XVII. jahrhundertes eine eigene „Congregatione delli artesani" mit dem Sitze 
im Profeßhause der Jesuiten am Hof. 
Auch die fort und fort zunehmende militärische Wichtigkeit Italiens 
war für die Baukunst Österreichs nicht ohne Bedeutung; denn viele der be- 
 
"' „Kunst und Kunsthandwerk" 1906, Seite 607 B". 
m" „Entwurf einer historischen Architektur", 1705 begonnen, 1723 (x7z5) erschienen. 
"H" Ich spreche hier sogleich Herrn kaiserlichen Rat Dr. Josef Dernjac, Skriptor an der Bibliothek der 
k. k. Akademie der bildenden Künste und gräflich Harrachscbern Galeriedirektur, meinen besten Dank aus für 
die freundliche Vermittlung von Abschriften aus dem Harrachschen Archive und des später zu besprechenden 
Stiches des Daunsehen Palastes. 
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