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Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 5)

im Rheinland bewahrt: Der Becher des Trierer 
Domes in Limburg und der Willkomm aus Schloß 
Daun in der Eifel. Nirgendwo außerhalb Deutsch- 
lands ist im XV. Jahrhundert hartgebranntes Stein- 
zeug nach unserer heutigen Kenntnis nachweislich 
gemacht worden. Ein sicheres Kennzeichen einer 
dem rheinischen Steinzeuggebiet nahestehenden 
Töpferei ist der Fuß der Limburger Krause. Diese 
Art, den Gefäßfuß durch den Druck des Fingers 
wellig zu formen, ist der ganzen Krugbäckerei des 
Rheinlands bei den Erzeugnissen der Frühzeit eigen- 
tümlich; den Siegburger Töpfern war er so alt- 
gewohnt und geläufig, daß sie bis zum Ende des 
XVI. Jahrhunderts, als schon längst die Renaissance- 
proFile durchgedrungen waren, noch oft zum Wellen- 
fuß zurückkehrten. Auch die schräg gerippte Abart 
des Limburger Bechers ist keine Seltenheit; sie 
findet sich wieder an gotischen Krügen aus der 
Maximinenstraße in Cöln. 
Die im Relief aus I-Iohlformen aufgelegten bär- 
tigen Köpfe sind weder Apostel noch Eremiten, sie 
sind nichts anderes als dieVorfahren der Bartmänner, 
die später im XVI. Jahrhundert ein typischer und 
volkstümlicher Schmuck der Krüge von Cöln- 
Frechen, Siegburg und Raeren geworden sind. Bei 
den Bartmannskrügen der Renaissance ist allerdings die Maske immer oben 
an den Halsrand gerückt, gewissermaßen als der Kopf des darunter aus- 
gebauchten Gefäßes. Diese geschicktere und einleuchtendere Anbringung 
des Maskenmotivs ist aber erst eine Errungenschaft des XVI. Jahrhunderts. 
Die primitiven Anfänge der Masken auf Raerener und Cölner Fundstücken 
aus dem Ende des XV. Jahrhunderts mit den aus der Masse heraus- 
gekniffenen Nasen und ein paar eingeritzten und gestempelten Linien? sind 
immer noch auf den Bauch angebracht; ein Siegburger Becher im Cölner 
Kunstgewerbemuseum" trägt sogar bereits aus Hohlformen aufgelegte, wohl- 
modellierte Reliefköpfe in vierfacher Wiederholung noch auf der Weite des 
Bauches, ganz analog unseren Krausen. Die aufgedrückten Traubennoppen, 
welche den Bauch des Kopenhagener Pokals bedecken, sind dem rheinischen 
Hohlglas eigentümlich; sie bilden aber auch ein nicht seltenes Kennzeichen 
cölnischer und Siegburger Fundstücke des XV. Jahrhundertsß" 
Schließlich ist das durchbrochen geschnittene Maßwerk des Pokalfußes 
in Kopenhagen zu vergleichen mit den ebenfalls durchbrochen geschnittenen 
 
Dreihausener Vierhenkelbecher 
in Worms 
"' Vergl. Solon, Ancient Stoneware, l, lig. 8; Dornbusch. l. c., Tafel l, Nr. 7. 
"H" Abgebildet Dombusch, Taf. I, Nr. 8. 
x" Vergl. Dornbusch. Taf. I, Nr. 9a, b. c.
	        

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