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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 8 und 9)

 
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blatt und dieses wieder der großen Blütenranke, beziehungsweise der 
einzelnen Blüte. In die Mitte des XVIII. Jahrhunderts fallen auch mehrere 
gute Arbeiten mit Reliefauflagen und solche keramischer Plastik. Eine 
gedeckelte, von einem liegenden Löwen gekrönte Terrine, ein Salzfäßchen 
in Gestalt einer Bäuerin und die Figur eines oberösterreichischen Kretins 
werden hier abgebildet. Die letztgenannte drollige Plastik hat noch einen 
besonderen Reiz darin, daß die Figur in der rechten Hand einen blau und 
weiß marmorierten Gmundener Krug mit dem typischen wulstartigen, im 
unteren Ansatz aufgerollten Henkel hält. 
Das ausgehende XVIII. Jahrhundert 
wählt die einzelne Blüte oder den Blumen- 
strauß als Schmuck für den Tellerrand, 
zuweilen auf gitterartig gezeichnetem 
Grund. Die Figürliche Malerei hat größten- 
teils religiösen Charakter; Typen aus dem 
Volk, Figuren einzelnerTiere, Landschaften 
etc. sind selten. Auch bei den Krügen und 
Humpen findet der vorerwähnte Gitter- 
grund Anwendung, entweder das ganze 
Gefäß oder nur einen Teil der Wandung 
in Art eines Bandes, auf dem mehrere 
Medaillons angeordnet sind, überziehend. 
Bei den Krügen zeigt sich nun häufiger 
der schon bei den Erzeugnissen aus der 
Mitte des XVIII. Jahrhunderts vereinzelt 
auftretende sogenannte Wiener Rand. Es 
ist ein Motiv von Festons, in einfachster 
Weise dargestellt und entlehnt dem Wiener 
Porzellan, wo es ausgiebigste Verwen- 
dung fand. Es bildet bei den Gmundener 
Arbeiten den unteren Abschluß der in 
bunten Farben ausgeführten Darstellung. 
Um 1790 wechselt der bauchige, birn- 
förmige Krug die Gestalt und es entsteht 
der zylindrische, bei weitem mehr mundgerechte Trinkhumpen. Ansichten 
des Traunsees, solche der Stadt Gmunden und des Schlosses Ort, Kahn- 
fahrer, Typen der Bewohner des Kammerguts verdrängen nun nahezu 
gänzlich die religiösen Darstellungen. Das Treiben und Leben der Leute 
schildert uns am besten in der Zeit 1830 bis x85o der Malergeselle Josef 
Triesberger mit seinen originellen Arbeiten. Über diesen Gesellen, mit dessen 
Tod die Gmundener Bauemmajolika ihr Ende fand, wird noch später aus- 
führlicher zu erzählen sein. Hinsichtlich der Formen haben wir noch nach- 
zutragen, daß die Gestalt des I-Iumpens sich nach X800 etwas ändert, indem 
die Mündung um ein Geringes eingezogen wird. 
Humpen mit Kahnfahrt, bezeichnet 1798
	        

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