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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 8 und 9)

Welthandel und Finanzkraft, 
so vornehmlich die Absatzver- 
hältnisse der deutschen, speziell 
der Augsburger Goldschmiede- 
kunst. Gleichwohl aber stand 
im Verlauf des XVII. und im 
XVIII. Jahrhundert Augsburg 
noch immer an der Spitze dieser 
Kunstübung in den deutschen 
Landen. Sehen wir nun, was 
Augsburg uns auf unserer Aus- 
stellung zu sagen hatte. 
Die reiche mittelalterliche 
Produktion Augsburgs, welche 
allerdings im Laufe der Zeiten durch 
Einschmelzung schwere Einbußen er- 
litten hat und in ihrem übriggeblie- 
benen Teil, wohl zumeist kirchliche 
Geräte, keinen Weg in die österrei- 
chischen Sammlungen fand, war nur 
durch ein einziges Stück, einen koni- 
_ _ _ ö schen auf KugelfüßenruhendenBecher 
311.155,12," iriiiäliioiiiiifiieii: iiälfnfiiiiiänssiilri mit durchbrochenem Rankenwßrk, 
Drachen und menschlichen Figuren, 
XVJahrhundert (Besitzer Graf I-IansWilczek) repräsentiert. Dafür sahen wir 
aber die ganze Entwicklung der Augsburger Goldschmiedekunst vom XVI. 
 
bis zum Ausgang des XVllLjahrhunderts, ja bis in die Zeit des Empires in 
prächtigen Beispielen und in einer hier noch nicht dagewesenenVollzähligkeit. 
Eine ganze Reihe feststellbarer Namen trat uns entgegen, neben ihnen 
viele Stücke mit Zeichen, die wenigstens eine teilweise Deutung zuließen 
und sodann die große Reihe der auf ihre Provenienz noch ungedeuteten 
Werke, welche der Forschung neues, reiches Material bieten. 
Mit zu den ältesten der vorgeführten Objekte gehört das im Besitz 
des Herrn Engen v. Miller befindliche Osterlamm von David Kramer, 
welcher 156g gestorben ist und dern auch die beiden sogenannten Jakobs- 
brüder in der Sammlung des Barons Alfons v. Rothschild zuzurechnen sind. 
Derselben Zeit ungefähr entstammt das Herbersteinsche Taufzeug, 
welches mit Recht das größte Interesse erregte. Das daran angebrachte 
Meisterzeichen ähnelt dem des Theophil Glaudich, welcher 1572 gestorben 
ist und in der Karl v. Rothschildschen Sammlung in Frankfurt durch eine 
Reihe trefflicher Becher vertreten war. Die Linienführung der Kanne mit 
ihrem prachtvollen Henkel, das Becken mit seinem Rand und den gravierten 
Bandornamenten im Fond und den gegossenen Reliefs der Verkündigung, 
Anbetung, Kreuzigung und Auferstehung macht dieses Werk zu einem der
	        

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