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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 8 und 9)

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Pflanzenmotiv, die sich in ganz hervorragendem Maße bei den Winterthurer 
Fayencen des XVII. Jahrhunderts äußert. Die gleichen Mittel und Vorwürfe 
treffen wir nun bei den ersten Arbeiten der Gmundener Hafner. Die Schüssel 
im Museum zu Ischl mit der Darstellung eines Trommlers und dem begleiten- 
den Text: „lch Will Diech Drumbell Rirn, Wier Miessen Mösicieren, Rundt, 
Pundt, Pum" und 163g datiert, gehört in diese Richtung. Viel früher werden 
wir die Majolika in Gmunden kaum ansetzen dürfen. Intensiver äußert sie 
sich um die Mitte des XVII. Jahrhunderts mit ihren Gefäßen und Schüsseln, 
bei welchen sich die Malerei auf stilisierte Blumen und Ranken beschränkt. 
Deutlich tritt hier das Bestreben der Werkstätten zu Tage, eine schöne und 
reine weiße Glasur zu erzeugen und auf diese mehr Wert zu legen als auf 
die Bemalung mit bunten Farben. 
Daher ist auch letztere in den 
meisten Fällen eine spärliche, 
beschränkt sich auf einzelne in 
blauer, gelber und grüner Farbe 
ausgeführte Blumen am Rande 
der Schüsseln oder auf der vor- 
deren Wandung der Krüge. Die 
hier abgebildeten Stücke mit den 
Besitzernamen „Marthin Brims" 
und „Hans Scharinger" sind 1668 
und 1651 bezeichnet und gute 
Beispiele für diese Epoche. Gegen 
Ende des XVII. Jahrhunderts 
wächst die Freude an den Farben 
und es tritt die weiße Fläche 
zurück. Ein hoher Krug im Salz- 
burger Museum, bei dem der stilisierte Blumendekor bereits über die gesamte 
obere Hälfte der Krugwandung gezogen ist, bringt dies zur Anschauung. Ein 
noch späteres Stück ist die Flasche mit den Braueremblemen im Museum 
zu Linz. Damit nähern wir uns dem Beginn der Großindustrie, der Beteiligung 
mehrerer Werkstätten an der Erzeugung und der massenhaften Herstellung. 
Uber die Fabrikate werden wir später zu sprechen haben und lassen im 
nachstehenden vorerst die Zunftordnungen und die Geschichte der Gmundener 
Hafnerhäuser sowie die Reihe der Meister folgen, deren Kenntnis zum Ver- 
ständnis des ganzen Betriebs unerläßlich scheint. 
Gedeckeltes Gefäß in Pinienzapfenform. Um 1630 
II. ZUNFTORDNUNG, LOHNVERHÄLTNISSE, HERBERGE, VER- 
TRIEB DER WAREN. 
Die Meister des Handwerks waren samt ihren I-Iilfsarbeitern „von alters- 
her", wie dies auch mit den Hafnern der übrigen sechs landesfürstlichen 
Städte ob der Enns der Fall gewesen, der Welser Hafnerzunft einverleibt
	        

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