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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 8 und 9)

Deutsche die Frau erfreuen will, so verehrt er ihr ein Wöchnerinnenservice, 
wie Augsburg sie in so großer Zahl hervorgebracht hat. Voll Bewunderung 
stehen wir vor dem Wiederaufleben der Goldschmiedekunst Frankreichs unter 
Napoleon, dem Konsul und Kaiser, der scheinbar aus dem Nichts, aus der 
völligen Vernichtung und Verödung der Revolutionstage, diesen Zweig des 
Kunstlebens zu neuer herrlicher Blüte gebracht hat, von einem Jahr zum 
andern, durch seinen unbeugsamen Willen, nicht aus ästhetischer, sondern 
aus sozialpolitischer Erkenntnis und mit weiser Rücksichtnahme auf die 
großen künstlerischen Traditionen seines Volkes. 
Das alles hat uns die französische Gruppe unserer Ausstellung wieder 
recht deutlich gemacht. Rokoko und Louis XVI. repräsentierten ein Essig- 
und Ölständer, eine Bonbonniere und Untertasse von Ferrier aus Bour- 
goingschem Besitz, die bereits erwähnte Straßburger Toilette der Frau 
Erzherzogin Maria Josefa, die Auerspergsche Kanne und Deckelschale und 
einiges wenige andere. Das Empire hingegen zeigte den wundervollsten 
Reichtum der Formen und künstlerischen Individualitäten. 
Und alles atmete Geschichte, so das Vermeilservice des Herrn von 
Metaxa, Samovar, Vasen, Schalen, Becher, Kasserolen in jenen edlen Bil- 
dungen, wie sie das französische Empire einleiten; es war Leuchtenbergscher 
Besitz. Dann die Arbeiten von Biennais und dem Stab seiner Genossen 
und von Grangeret: die Figdorsche Platte, die Toilettegarnitur der Fürstin 
Montenuovo, die Kassetten mit Nähgeräten und Instrumenten zur Zahnpflege 
aus dem Besitz der Kaiserin Maria Louise, das dem k. k. Österreichischen 
Museum gehörige Reiseservice des Königs von Rom (das ich in Band VII, 
Heft 6, dieser Zeitschrift beschrieben habe), und das an 200 Gegenstände 
umfassende Reisenecessaire der Stephanie von Baden, das jetzt der Gräfin 
Festetits-Hamilton gehört, mit Spiegel, Waschbecken, Kaffeeservice, Puder- 
büchsen, Parfümi-laschen, Leuchter, Nähzeug, Eßbesteck, ebenfalls von 
Biennais und einem unbekannten M J C G. Auch die dem Direktoire ange- 
hörige Zuckervase und Schokoladekanne des Grafen Latour, die Kandelaber 
des Grafen Stürgkh und eine reiche Kollektion von Bestecken aus ver- 
schiedenem Besitz fesselten unser ganzes Interesse. Wie ganz anders man 
dann in den Tagen des wiedererstandenen Königtums fühlte und schuf, 
konnte nichts besser verdeutlichen, als ein Blick auf die Vermeilmesser von 
Delporte mit französisch-biedermeierischen Emailgriffen und das Frühstück- 
service von 1838, ein Geschenk des Herzogs von Orleans an den französischen 
Gesandten Baron de Bourgoing - Neorenaissance vor siebzig Jahren, die 
außerhalb Frankreichs erst ein Menschenalter später zu vorübergehender 
Herrschaft gelangte.
	        

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