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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 10)

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in einer bisher nicht wahrgenommenen Deutlichkeit zeigen. Sie zeigen ferner 
deutlich, was in dem bisherigen Material nicht klar zu Tage trat, daß wir es 
bei den frühen kleinasiatischen Teppichen nicht mit erstarrten PHanzenformen, 
sondern allein mit diesen geometrischen und Schriftmotiven zu tun haben. 
Welcher Zeit die Teppiche angehören, kann nur gemutmaßt werden; 
sie sind früher entstanden wie jene reichen kleinasiatischen Teppiche des 
XV. Jahrhunderts, die wir auf den italienischen und frühniederländischen 
Bildern finden und die ihre Weiterentwicklung bezeichnen. So mögen sie 
wohl dem XIV. Jahrhundert angehören. Als Marco Polo am Ende des 
XllLjahrhunderts Kleinasien und das Seldschukenreich von Konia besuchte, 
erwähnt er, daß hier von der seßhaften griechischen und armenischen Be- 
völkerung die schönsten und feinsten Teppiche der Welt gefertigt wurden." 
Bode führt diese Stelle an und weist darauf hin, daß die seldschukischen 
Eroberer hier die ältere einheimische Bevölkerung in ihren Kunstschöpfungen 
nur förderten, ohne selbst schöpferisch tätig zu sein, ebenso wie es nach der ara- 
bischen Eroberung in Ägypten der Fall war, wo auch die angesessenen Kopten 
kunstgewerblich tätig waren. Wir können in den drei Teppichen die ältesten 
bisher bekannten kleinasiatischen Knüpfteppiche sehen, die den früheren, 
oben erwähnten Tierteppichen voraufgehen. Ihr Muster knüpft an die geo- 
metrischen Muster der Mosaikfußböden des Altertums und wohl auch der 
dem Knüpfteppich voraufgehenden Wirkteppiche und der spätantiken und 
byzantinischen Gewebe 
an. Wir erinnern an 
den prachtvollen, dem 
_VIII. bis XJahrhundert 
zugeschriebenen Sei- 
denstoff im Lambertus- 
Schrein zu Lüttich 
mit seinem imposanten 
geometrischen Muster": 
(Abb. g) oder an den 
Purpurstoff aus dem 
Reliquienschrein des 
heiligen Dionysius zu 
Enger, der unzweifel- 
haft dem XII. Jahrhun- 
" Ramusio: Delle navi- 
gaticmi et viaggi. II. Venelia x559, 
Seite 4: „Fahre genti sono Armeni 
e Greci que stanno nelle cinä e 
castelli e vivonu di mercamie e 
arti, e quivi si lavorano tapedi 
onimi e li piü belli del mondo." 
1' Abgebildet bei j. Les- 
sing: Gewebesammlung des Kö- 
niglichenKunstgewerbemuseums Abb. xo. Purpurner Seidenstotfaus dem Dionysiusschrein zu Enger, Vorder- 
zu Berlin. lI. Lieferung. K. 6762. asien, XII. Jahrhundert (nach j. Lessing, Gewebesammlung) 
 
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