MAK

Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 10)

Gott"), nur durch kleine Rosetten getrennt, ringsum wiederholt." Bode weist 
auf das XIII. bis XIV. Jahrhundert als Entstehungszeit hin, erinnert an das 
altorientalische Baummuster und geht auch auf die einzigartige Technik ein; 
„die Wollfäden sind nämlich nicht wie sonst übereinander auf ein und dem- 
selben Kettfaden geknüpft, sondern sie springen von einem zum anderen Kett- 
faden über. Dadurch bleibt in der Kette immer ein Feld leer, was die Be- 
nutzung feiner Wollfäden zuläßt und daher nicht nur eine schärfere Zeichnung 
ermöglicht, sondern auch die Aus- 
führung der eckigen Muster er- 
leichter-t". 
Es ist unzweifelhaft, daß dieses 
Muster in letzter Linie abzuleiten 
ist von dem altorientalischen Lebens- 
baum, dessen sassanidische (um 
600 entstandene) Umbildung durch 
den bekannten Pfeilerschmuck von 
Tak i Bostan repräsentiert wird 
(Abb. I6). Dieses Motiv geht in die 
Kunst des Islams über; wir finden 
es zum Beispiel auch in Spanien 
an dem von dem Kalifen Hakim II. 
961 nach Christi erbauten Mihrab 
der Moschee von Cordova, wo der 
Sockel aus rechteckigen Platten zu- 
sammengesetzt ist. Sie zeigen in 
dem von einer Borte umrahmten 
Mittelfeld dies Baummotiv in der 
Form eines geraden Mittelstammes, 
von dem aus symmetrisches Ran- 
ken- und Blattwerk die Fläche über- 
zieht (Abb. 17). Schwieriger wie das 
Motiv als Ganzes sind bei dem Tep- 
pich die Details und vor allem die 
eine Architektur wiedergebenden 
Blüten zu erklären. Sehen wir vor- 
erst einmal von den architektoni- 
schen Einzelheiten ab und betrachten wir die Blüte in ihren Umrissen, so 
zerlegt sie sich in ein mittleres spitz auslaufendes Blatt und zwei kleinere, 
seitlich umgebogene Blätter. Dieselbe Form finden wir nun in jenem er- 
wähnten Blütenbaum von Cordova bei einigen Arabeskenblüten wieder, die 
sich auch aus einem mittleren größeren Spitzblatt und zwei seitlich ausge- 
bogenen Blättern zusammensetzen. Noch nähere Berührungspunkte zu den 
merkwürdigen Blüten des Teppichs sehen wir in einem etwas jüngeren 
spanisch-arabischen Denkmal, einem sich im Museum von Zaragossa be- 
Abb. x4. KleinasiatischerTeppich, im Besitz von Baron H. 
v.Tucher, Wien (n. Bodeßlorderasiatische Knüpfxeppiche)
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.