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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 11)

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„disjecta membra" des früheren Eigens wieder aus den vier Weltgegenden 
zurückzuholen. Er hatte dabei mehr guten Willen als Glück; auch für 
unsern Sgabello bot er vergebens das Mehrfache des für damalige Verhält- 
nisse hohen Kaufpreises. Wir haben keinen moralischen Steinwurf für den 
grausamen, aber so begreiflichen Egoismus des passionierten Liebhabers, 
wenn er die tote Hand zeigt und eine schwer errungene Cimelie nicht mehr 
freigeben will, aber nicht ohne Sympathie neigen wir uns vor dem Erben 
der Ahnenreihe, der mit noch größeren Opfern ein verloren gegangenes 
Familienwahrzeichen für die alte Heimstätte wieder zu gewinnen strebt, und 
wir verstehen sein Schmerzgefühl, welches er selbst, in launiger Hyperbel, 
dem des Maurenkönigs Boabdil verglich, als dessen letzter wehmutsvoller 
Abschiedsblick die Türme seiner geliebten Alhambra grüßte. 
Es ist wenig wahrscheinlich, daß viele Exemplare in dieser kapriziösen, 
fast übereleganten Form zur Ausführung gelangt sein sollten: Das ent- 
wicklungsfähige Motiv, durch das aus dem lehnenlosen Schemel ein Stuhl 
geworden war, die unabhängig von der Stütze des Sitzbrettes in dieses ein- 
gezapfte Lehne treffen wir dagegen im XVI. Jahrhundert zunächst in Italien, 
dann nördlich wandernd am Südabhang der Alpen und weiter in Ober- 
deutschland nicht gerade selten wieder an. 
So auf einem ebenfalls Toskana entstammenden Schemelstuhl ein- 
facherer Art, der nur um 
weniges oder vielleicht gar 
nicht jünger als der Strozzi- 
Schemel sein dürfte. Auch 
hier drei massige, viereckige, 
leicht gekrätschte Stützen, 
ein derbes achteckiges, nach 
unten abgefastes Sitzbrett, 
mit einer rückseitigen Ver- 
längerung in rechteckiger 
Form zur Aufnahme der 
Rückenlehne. Die Pfosten 
sind aber hier unter dem 
Sitz durch Bretter mit dem 
unteren kielbogenförmigen 
Ausschnitt verbunden und 
die Lehne verbreitert sich 
von der Einzapfung ins Stuhl- 
brett beträchtlich und ist zur 
größeren Bequemlichkeit des 
Sitzenden mäßig geschweift, 
eine dann oft zu findende 
Einrichtung. Die Rücklehne 
_ Abb. 79. Spanischer Klapplehnstuhl, XV. bis XVI. Jahrhundert. 
selbst besteht aus drei profi- Höhg 9,75, 8mm 0,55 Mm, 
75' 

	        

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