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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 11)

dem europäischen Kontinent wieder anzutreffen sein dürfte. Der Bericht- 
erstatter steht freilich bei dieser kostbaren Sonderkollektion insofern einer 
gewissen Schwierigkeit gegenüber, als die Ausscheidung nach der nationalen 
Provenienz, ob italienisch, ob deutsch, nicht ganz leicht ist. Daß diese Gruppe 
ihren Ausgang von Italien nimmt, kann keinem Zweifel unterliegen, aber im 
Lauf des XVI. Jahrhunderts ist sie nach allen Kulturländern ausgewandert 
und insbesondere in Oberdeutschland ganz ähnlich gebildet worden, ähn- 
licher den italienischen Origi- 
nalen als irgend ein anderes 
Möbel. Die Stühle dieser Art 
in der Sammlung Figdor sind 
der Mehrzahl nach in Deutsch- 
land erworben, einen Teil 
derselben kann man nichtsdesto- 
weniger als wohl früher oder spä- 
ter nach Deutschland eingeführt 
betrachten. Sollte ich mich in 
der Einteilung irren, so mögen 
schärfer Sehende das entschul- 
digen. Ein Wort mag hier auch 
der stoßlichen (Sitz- und Lehnen- 
kissen) Ausstattung gewidmet 
sein. Wirklich originale Bespan- 
nung ist bei solchen Stücken in 
guter Erhaltung fast ausgeschlos- 
sen, das Bild des früheren Zu- 
stands mußte früher oder später 
ergänzt werden. Frühere Zeiten 
waren in dieser Beziehung recht 
sorglos, so daß feste Polsterung 
an Stelle einer Lehnen- oder 
Gurtbespannung ziemlich häufig 
vorgekommen ist. Auf das ge- 
spannte Leder waren ursprüng- 
lich entweder Stoffe aufgezogen 
(aufgeklebt oder aufgesteppt) 
oder lose Kissen aufgelegt. Dabei mag darauf hingewiesen sein, daß feste 
Polsterung als ursprüngliche Ausstafiierung von Sitzmöbeln vor der Mitte 
des XVI. Jahrhunderts nicht nachzuweisen ist. Daß gerade die Klappstühle 
für die spätere, eigentliche Polsterung, eben weil sie an sich an Lehne und 
Rücken ein weiches Material verlangten, die erste Stufe der Entwicklung 
gebildet haben dürften, sei hier nur beiläufig erwähnt. Dr. Figdor hat mit 
besonderem Glück versucht, eine Anzahl dieser Stühle durch Neustaffierung 
mit alten, bereits gebrauchten Stoffen und Stickereien, die sich der Edelpatina 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Abb. 82. Spanischer Lehnsessel, xvlLjal-lrhundert. Höhe 
0,90, Breite 0,57 Meter
	        

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