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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 11)

war. Drei Stühle aus dem Ursulinerinnenkloster 
zu Vitoria würde man ohne Kenntnis ihrer 
Provenienz wohl in niederrheinische Gegenden 
versetzen, wenn nicht das rötlich braun-geheizte 
Holz ihnen einen etwas exotischen Anstrich gäbe. 
Es sind einfache dreibeinige Sessel (Abb. 82) aus 
Rundstäben mit doppelter Querverspreizung, 
zwischen deren oberer das glatte dreieckige Sitz- 
brett ruht; die Pfosten sind über den Sitz hinauf- 
geführt, am höchsten der rückwärtige, der an 
einem Doppelgalgen die horizontale Lehnen- 
stange trägt, von deren Ende zwei weitere Stäbe 
schräg zu den Vorderpfosten als Seitenlehnen 
herablaufen. Abgesetzte Drechslerarbeit bildet 
den einfachen Schmuck der Stäbe. Diese dreieckigen Sessel sind uns aus spät- 
mittelalterlichen Bildern und Stichen (Israhel van Meckenem) wohl bekannt. 
Ein Original befindet sich im Germanischen Museum. Der Niederrhein, wo 
sie in bäuerlicher Umgestaltung sich bis zum Ende des XVIILjahrhunderts 
erhalten haben, dürfte ihr Haupt- 
verbreitungsgebiet gewesen sein. Auf 
einer runden gemalten Glasscheibe, 
wohl flämisch aus den ersten Jahr- 
zehnten des XVI. Jahrhunderts, in der 
Sammlung Figdor (Abb. 83), die auch 
einen interessanten gleichartigen 
Lehnstuhl zeigt, können wir diesen 
Sesseltypus in etwas modifizierter, 
gotischer Anordnung mit gebogener 
Lehnenleiste feststellen. Bei der 
engen politischen Verbindung der 
Niederlande mit Spanien, die wohl 
auch auf die klösterlichen Anstalten 
sich erstreckte, können wir die merk- 
würdige Wanderung dieses Stuhl- 
typuswohl begreifen. -_ Englische 
Möbel sind in Sammlungen des 
Kontinents nur wenig vertreten 
und im allgemeinen ist die Kennt- 
nis des englischen Möbels mitAus- 
nahme der Zeit des späten XVIII. 
Jahrhunderts nur eine geringe. In 
der Sammlung Figdor ist ein be- 
merkenswertes Exemplar eines 
 
Abb. 95. Kinderstühlchen, deutsch. 
XV.bis XVLjahrh. 110,35, Br.o,285 m 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
_ Abb. 95. Bemalte Hnlzskulptur, 
Lehnstuhls von Elchenhniz aus thronende Heilige, oberdeutsch, um 1520. Höhe 0,34 Meter
	        

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