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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 11)

hundert Bildern der laufenden Ausstellung findet sich nicht wenig Tiichtiges, ohne daß 
das jetzt etwas gehobene Niveau überschritten wäre. Gute Porträte zunächst. Selbst Angeli 
erscheint wieder auf dem Plan; sein Bildnis Pochwalskis zählt denn doch auch heute mit, 
trotz der etwas leblosen Farbe. Dagegen verträgt Pochwalskis Hartel-Porträt so deutliches 
Licht nicht; es müßte hoch in einem schlecht beleuchteten Sitzungssaale hängen. Unter 
den Jüngeren ist Adams am besten in dem genrehaft angeordneten Brustbild des Augen- 
arztes Dr. Adler; sein großes Bild einer Tänzerin, als Akt in schwarzer Schleierdraperie, 
findet eine interessante Gegenfarbe im gelben Marmor des Milieus. Ein (schlecht gehängter) 
Damenkopf von Baschny wirkt zwischen zwei grünen Vorhänglein recht modern. Die 
Bilder von Rauchinger, Krauß (Rumpler), Poosch, Uhl (Freiherr von Gautsch) und andere 
bestehen nebeneinander. In der Landschaft sei zunächst Quittner gelobt, der ein ganz 
neues Gesicht zeigt. Eine Schneeansicht im Dorfe und ein Interieur („Das Bett") sind in 
einer matten, mehr als luhigen, gleichsam hingepulverten Weise mit viel Reiz gegeben, 
von tadelloser Raumwirkung und zugleich die denkbar ruhigsten Flecke an der Wand. 
Kasparides ist mit einem sonnenbeglühten Berghintergrund bei Gravosa ein Hauptwurf 
geglückt. Tina Blau hat zwei kleine holländische Motive von ausgiebiger Farbe. Schaeffer. 
Zetsche, Ruß, Zoi-f, Kinzel, von den jüngeren Suppantschitsch, Jungwirth, Brunner, 
Poosch, Geller, Tupy, Krizmann sind gut vertreten. Unter den Genrestiicken findet man 
ein gesundes holländisches Interieur mit Figuren von Scharf, ein pikantes Problem in Rot 
von Krauß, bemerkenswerte Nummern von Jungwirth, Larwin, Koch, Ruzicka, Tschelau, 
I-leßl. Ein ganz neuer ist der blutjunge Tade Styka in Paris, der Sohn des bekannten 
l-Iistorienmalers Jan Styka. Offenbar ein Schüler J. J. Henners, den er auch vortrefflich 
porträtiert hat. Bleiches, leuchtendes Fleisch hat er bei I-lenner gelernt (Akttigur des 
Prometheus), den schwimmenden Kontur dazu sucht er nun, ohne ihn einstweilen zu 
finden. In der Plastik fällt eine reizende Kinderbüste aus rosigem Marmor auf, von Giuseppe 
Mayer in Triest, dann allerlei gut bewegte Tierplastik von Gomik, Büsten und Plaketten 
von Hujer, Kaan, Grünhut, Schwendtner, anderes von Zinsler, Zelezny, Dietrich. Von 
allem etwas, also auch von Gutem. 
GALERIE MIETHKE. Zwei junge Prager stellen ihre Bestrebungen aus. Der 
zzjährige Josef Vaic sogar Erstlinge, denn er ist in den Ausstellungssälen noch fremd. 
Eine reiche Auswahl Prager Ansichten zeigt ihn als Aquarellisten der dunklen Observanz. 
Er greift die tiefsten Akkorde, wobei er auch vielfach ins Trübe fallt. Wucht, Faust ist in seinen 
Sachen, daß man ordentlich Verwandtschaft mit Hönnann spürt. Dabei eine Naivetät der 
Mache, wenn er etwa große helle Farbeniiächen, um ihnen mehr Leben zu schaffen, kreuz 
und quer mit dünnen Bleisüitstrichen craqueliert. Und dazu die gewisse romantische Ge- 
bärde des alten Prag. Die phantastische dunkle Silhouette der ragenden Sachen; Stimmung 
einer heftig bewegten Vergangenheit. Der andere Gast ist Vojtech Preißig. Er war in 
Paris und hat für „L'Assiette au beurre" Karikaturen gezeichnet; französische Bauern und 
dergleichen. Er hat eine starke graphische Ader, die Wirkung der farbigen Radierung liegt 
ihm besonders, so daB auch manches andere auf diesen Eindruck hinausläuft. Einflüsse 
kommen von rechts und links; von Vogeler zum Beispiel. Schnee ist ihm ein Lieblings- 
element, schon weil es eine Lyrik der Sauberkeit hat, die ihm auch sonst genehm ist. Auch 
Blumen gehören in diese Sphäre und das Märchen und die Dekoration. -- Im ersten 
Stock hat Gustav G. Gröger eine Anzahl Landschahlichkeiten vereinigt. In früheren Jahren 
war er als Alpinist berühmt, später hat er an die hundertmal den Atlantic gekreuzt und in 
Amerika umfassende Parzellierungsgeschäfte gemacht. ]etzt zieht er sich auf sein Altenteil 
zurück und bildet ein unleugbares Maltalent aus. In Dachau bei Hölzel und in Paris bei 
Jullian hat er das Verfahren gelernt, ohne indes noch die Stufe der Liebhaberei ganz über- 
wunden zu haben. Auch reizt ihn besonders das Forschen, das Experiment über die 
Wirkung der Farben. Über das Geheimnis der Leuchtkraft insbesondere. Da berichtigt er 
in Ägypten die Vorurteile der Maler hinsichtlich des blauen Himmels und gibt dessen
	        

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