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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 12)

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Als die eigentliche Heimat unserer Darstellungen in den Werken der 
Malerei und auf den Erzeugnissen des Kunstgewerbes müssen wir die oberen 
Rheinlande ansehen, also den Breisgau und Sundgau, Elsaß-Lothringen, 
Baden, Württemberg, Hessen mit den diesen Ländern inliegenden geistlichen 
Gebieten von Straßburg-Land, Speyer und Basel-Land sowie die reichs- 
städtischen Gebiete von Straßburg, Mühlhausen, Münster, Kolmar, Metz 
und Basel. Abgesehen vom Antependium in Göß, welches wir übrigens nur 
als Übergangsglied kennen gelernt haben, leiten sämtliche Darstellungen 
ihre Herkunft aus der oberen Rheingegend. Die Plakette der Sammlung 
Figdor stammt aus Lothringen, das gestickte Handtuch Hefner-Altenecks 
aus Bingen am Rhein. Das 
schöne Antependium aus 
dem Besitz des Grafen Kuno 
Üxküll von Gyllenband in 
Kannstatt (heute inAmerika), 
kam aus dem Kloster Sankt 
Ottilienberg im Elsaß. Eine 
weitere Stickerei ähnlichen 
Charakters befindet sich in 
Gelnhausen, dasselbe Sujet 
in Mühlhausen, an einem 
Chorgestühl des Münsters zu 
Konstanz, im Dominikaner- 
brevier von Kolmar. Daß 
schließlich in der allgemeinen 
poetischen Literatur der- 
selben Zeit und desselben 
Landes, dieselbe Quelle floß 
und die gleiche symbolische 
Sprache gesprochen wurde, Rückseite eiläljstllltxflxaäerl yYZi-Krellllllitäi; Schongauer. 
wie in den Gebieten der 
Kunst, geht daraus hervor, daß Konrads von Würzburg „Goldene Schmiede" 
im Kloster zu Freiburg entstanden ist. 
Auch die Malerei beteiligt sich an der oberrheinischen Heimat der 
mystischen Jagd mit dem einzig bekannten bedeutenderen Werk. Es ist dies 
die Martin Schongauer zugeschriebene Passion im Museum von Unterlinden 
zu Kolmar. Auf der Rückseite der beiden Altartafeln mit dem Einzug Christi 
in Jerusalem und dem Abendmahl hat der Künstler uns ein Bild der mystischen 
Jagd entworfen. Die Anordnung der Figuren und der lauretanischen Embleme 
entspricht den uns bereits bekannten Darstellungen. Die Bibliothek zu 
Weimar besitzt gleichfalls ein Bild der Einhornjagd, welches dem aus- 
gehenden XV. Jahrhundert und der rheinischen Schule angehört. Es ist in 
mancher Beziehung interessant. Beim Fell kniet Gideon, die seligste Jung- 
frau anbetend, auf dem Altar mit den Stäben der vom Bischof Abiathar für 
 
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