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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 12)

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am deutlichsten erscheint er uns auf dem Triumphbogen der Kirche Santa 
Maria Maggiore. Kehren wir zur Plakette zurück. Im Hintergrund neben 
dem hohen Turm sieht Gott Vater über die Gartenmauer und erhebt die 
Hände zum Segen. Ein Brunnen und ein Altar mit hoher Stange füllen das 
Mittelfeld aus. Alle diese von leeren Bandrollen begleiteten Embleme ent- 
sprechen der Verkündigung nicht nach der Auslegung des Evangeliums 
Lukas in seiner schlichten Form, sondern den Erzählungen der Gnostiker 
und den Darstel- 
lungen in den I-Io- 
milien des Mön- 
ches Jakob. Was 
uns aber bei bei- 
den fehlt und ge- 
rade diese Auf- 
fassung so rätsel- 
haft macht, ist das 
mit der Jungfrau 
in Verbindung ge- 
brachte Einhorn. 
Es flüchtet durch 
die Gartentür in 
den Schoß Ma- 
riens,verfolgtvom 
Erzengel Gabriel, 
der den göttlichen 
Gruß in das Horn 
stößt, den Wan- 
derstab in der 
Rechten trägt und 
zwei Koppeln 
Hunde an der 
Leine führt. Die 
Komposition ist 
nicht dem Geiste des Schöpfers dieser Plakette entsprungen, wie die un- 
beschrieben gebliebenen Bandrollen, der Wasserkessel an Stelle des Korbes 
mit der Wolle, das fehlende Türbeschläge und andere Details beweisen. Wir 
werden im weiteren Verlauf der Ausführungen die Vorlagen kennen lernen 
- vorher wollen wir aber über die Stellung des Einhorns, über seine sagen- 
hafte Existenz und seine fabelhaften Beziehungen zur Jungfräulichkeit einige 
Worte sagen, um den der mystischen Einhornjagd zu Grunde liegenden Sinn 
erläutern zu können. 
Das Tier gehört der Sage an. Trotzdem haben sich für seine Existenz 
Gelehrte eingesetzt K zuletzt Dr. ]ohn Wilhelm von Müller, Direktor des 
zoologischen Gartens in Brüssel, der 1853 ein kleines Buch hierüber ausgeben 
Bronzeplakene der Sammlung Figdor. Oberrheiniscb, XV. Jahrhundert, Ausgang 
83' 

	        

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