MAK
Nr. 12 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 99 
Gfironik. 
AUTOGRAPHEN. 
(Von Luther bis Werfel.) Der dritte Teil der 
Sammlung Auguste P a 11 b e r g, der am 21. und 22. Juni bei 
H e n r i c i in B e r 1 i n zur Versteigerung kommt, ist ge 
kennzeichnet durch die Ueberschrift des Kataloges, die „V o n 
Luther bis Werfel“ lautet. Von Luthe r, der mit einem 
sehr interessanten lateinischen Brief vertreten ist, scheinen 
alle berühmten Namen der Literatur und Wissenschaft der 
drei letzten Jahrhunderte in dieser Sammlung auf. Besonders 
die klassische Periode der deutschen Literatur ist großartig 
repräsentiert: Goethe durch ein eigenhändiges Blatt aus 
einem Exercitienheft, datiert 25. April 1758, sowie durch 
prächtige Briefe und eine Federskizze von seiner Hand (Grab 
stätte der Dynastien Schenk von Tautenburg zu Frauen 
Priesnitz), Schiller durch vier Briefe, am reichsten aber 
Heine, von dem fast ein halbes Hundert Manuskripte vor 
handen sind. Es sind da Briefe an Mutter und Schwester, 
2 Testamententwürfe, ein eigenhändiger Wechsel, Gedichte, 
Aphorismen, historische Essays etz. Neben den Heroen der 
Literatur finden wir Autographen von Herder, Lessing, Klop- 
stock, Grillparzer, Grabbe, Gutzkow, Lenau, Theodor Körner, 
Hauff, Gerhard Hauptmann, Hebbel, Mörike, Scheffel, Schel- 
ling, Schoppenhaucr, Julius Wolff, Marianne v. Wiliemer etz. 
BIBLIOPHILIE. 
(Hamburger Biicherversteigerung.) Aus 
Hamburg wird uns geschrieben: Unter stärkster Anteil 
nahme der hiesigen Sammlerwelt, sowie Berliner, Münchener, 
Bremer und anderer auswärtiger Händler wurde die Verstei 
gerung der Bibliothek eines Hamburger Bücherfreunde«- <*"rrh 
die Bücherstube Hans Götz durchgeführt. Die Auktion setzte 
am Vormittag des 14. Mai ein. Die ersten 200 Nummern 
waren in kaum eineinhalb Stunden zugeschlagen. An bemer 
kenswerten Preisen erwähnen wir die 160 Mark, die für eine 
nicht im Katalog verzeichnete französische Luxusausgabe 
Balzacs: „La belle imperia“ bezahlt wurden. Der schöne 
Longus-Bodoni-Druck brachte 100 Mark. Die Bremer-Presse 
war stark begehrt. Der erste Druck ging mit 250 Mark fort, 
der „Dante“ mit 130 Mark, die beiden Bände des „Homer“ 
mit 100 und 125 Mark. Corinths Radierungen zu Schillers 
„Wallensteins Lager“, eines von zwanzig Exemplaren mit 
einer Folge der Radierungen auf Pergament, brachten 150 M. 
Stark umstritten waren die beiden Bände der Dehmel-Gesell- 
schaft in prachtvollen Handeinbänden der hiesigen Werkstatt 
Joh. Gerbers, die mit 65 und 70 Mark nicht zu teuer bezahlt 
wurden. Die beiden Bände des „Faust“ von der Doves-Presse 
wandern mit 580 Mark in eine andere hervorragende Ham 
burger Sammlung, während der „Werther“ mit 130 Mark nach 
Berlin ging. Der Codex Aureus der Bayrischen Staatsbiblio 
thek blieb mit 430 Mark (gegen den Einsatzpreis von 125 M.) 
ebenfalls in Hamburg, gewiß eine erhebliche Steigerung, die 
auf regen Wettstreit schließen läßt. Am Nachmittag 
wurde wieder sehr rege geboten, so daß die 350 Nummern 
bereits in zweieinhalb Stunden verkauft waren. Ueber 100 M. 
gingen: Die 15bändige Casanova-Ausgabe des Georg Müller- 
Verlages bis 145 Mark, die sehr seltene Japan-Ausgabe der 
Opale auf 200 Mark, der Propyläen-Goethe in Ganzmaroquin 
brachte 1000 Mark, ein zweites Exemplar, das einen Band 
weniger enthielt, 800 Mark, der „Faust" mit den 25 Radie 
rungen von Sepp Frank ging zu 150 Mark zum Einsatzpreis 
fort. Schließlich brachten die acht Bände von Schramms 
Bilderschmuck der Frühdrucke 135 Mark. 
Am zweiten Tag brachte von den außerordentlich 
begehrten Hundertdrucken in Maroquin der West 
östliche Divan 130 Mark, Novalis 110 Mark, der Nietzsche 
105 Mark, die Nibelungen von Hebbel 135 Mark, und Thomas 
Manns „Tod in Venedig“ 130 M. Von den Hyperion-Drucken 
auf Hudertbütten ging der Faust auf 150 Mark, der Dante 
auf 100 Mark. Von den Drucken des Inselverlages stieg der 
dreibändige Cervantes mit Buchschmuck von Czeschka auf 
95 Mark (36 Mark Einsatzpreis.) Der Grimmelshausen war 
mit 105 Mark noch nicht teuer. Die Kunstbücher wurden 
sämtlich lebhaft geboten. Die Werke mit Illustrationen von 
Liebermann gingen alle gut, zum Teil doppelt über den Ein 
satzpreis fort. Lebhaft begehrt wurde die Mappe der Dichtung 
mit 16 farbigen Zeichnungen von Franz Marc und einem noch 
von ihm selbst gedruckten Original-Holzschnitt; sie stieg von 
33 Mark auf 150 Mark. Es zeigte sich überhaupt, daß sich das 
Publikum durch die niedrigen Einsatzpreise nicht beirren ließ, 
so daß der Durchschnitt der Preise noch höher lag, als man 
von den besten Berliner Versteigerungen gewohnt ist. Die 
komplette Serie der Jahrbücher der Marees - Gesellschaft 
„Ganymed“ in der Vorzugsausgabe war mit 150 Mark nicht 
hoch. Die Handzeichnungen von Hans Meid, ein von zehn 
Exemplaren mit zwei Original-Radierungen, brachten 160 M. 
und der Kugler-Menzel 300 Mark. Der „Pan“ war mit 310 M. 
sehr preiswert. Ein lebhafter Wettkampf setzte wieder ein, 
als der im Katalog abgebildete herrliche Maroquin-Band, die 
erste Ausgabe von Rilkes „Larenopfer“ ausgeboten wurde; 
schließlich blieb ein Dresdner Sammler gegen einen Berliner 
Händler mit 130 Mark Sieger. Die Hören-Ausgabe von 
Schillers Werken in Maroquin ging mit 150 Mark zum Ein 
satzpreis fort; hier steht ein Durchschnittspreis von 100 Mark 
pro Band einem Neupreis von 60 Mark für die noch nach 
dem Kriege erschienenen Bände entgegen, so daß die fünf 
fehlenden Bände den Käufer das Doppelte von dem kosten 
werden, was hier die 15 Bände gebracht haben. Von den 
Slevogt-Werken gingen weit über den Einsatzpreis, die Renn 
skizzen mit 120 Mark, der Achill mit 320 Mark, der Hektor 
mit 200 Mark, die Passion mit 500 Mark, die Trabrennen mit 
105 Mark, während das Archiv-Exemplar der Inseln Wak-Wak 
mit 800 Mark fortging. Die prachtvolle Ausgabe von Voltaires 
„Prinzessin von Babylon“ mit Radierungen von Heubner 
wurde auf 140 Mark gesteigert, und schließlich brachte ein 
Pergament-Exemplar von Perikies Rede für die Gefallenen 
der Kleukens-Presse 150 Mark. 
Im ganzen kann man wohl sagen, daß das Ergebnis der 
Versteigerung für die heutige wirtschaftliche Lage als außer 
ordentlich günstig zu bezeichnen ist. Ein weiteres Zeichen 
dafür ist, daß nicht weniger als 256 verschiedene Kauf 
aufträge aus zehn verschiedenen Ländern eingelaufen waren. 
Die Befürchtung, daß eine solche Versteigerung in Hamburg 
nicht durchzuführen sei, ist damit wohl vollkommen widerlegt. 
(Das Schicksal der MelkerGutenberg-Bibel) 
Amerikanischen Blättern zufolge hat Miss H a r k n e ß die Guten- 
berg-Bibel des Klosters Melk, die sie vom Antiquar Dr Rosen 
berg um 120.000 Dollar erworben hat, der Yall-Universität zum 
Geschenk gemacht. 
VERSCHIEDENES. 
(Todesfall.) Am 6. Juni ist in Wien der Antiquitäten 
händler Heinrich Stern gestorben. Stern betrieb im Hause 
Wollzeile 39 ein Antiquitätengeschäft, das er aber vor einigen 
Jahren an den Kunsthändler Josef D r a ch verkaufte. Seitdem 
hatte er wohl kein offenes Geschäft mehr, befaßte sich jedoch 
nach wie vor mit dem Antiquitätenhandel. Stern ist 74 Jahre 
alt geworden. 
VOM KUNSTMARKT. 
(478.970Pfund für dieSamlung Bischofsheini.) 
Die Versteigerung der Sammlung Bischofsheim bei Christie 
in London brachte das außerordentliche Resultat von 458.970 
Pfund. Der höchste Preis waren 60.375 Pfund, die D u- 
veen für Nattiers Bildnis des Herzogs von Penthievre be 
zahlte, der weitaus höchste Preis, den bisher überhaupt ein 
Nattier zu erreichen vermochte. Zwei Drouais brachten zu 
sammen etwa 68.000 Pfund. Moros Bildnis der Elisabeth von 
Spanien stieg über 55.000 Pfund. Von Bildnissen englischer 
Meister wurde Rommeys Lady Bushington mit 43.575 Pfund 
bezahlt und Hoppners Stanhope von Knoedler mit 31.500 
Pfund. Auf dieser Auktion war wohl die höchste Qualität von 
Bildern des 18. Jahrhunderts, die seit sehr langer Zeit auf dem 
Markte gesehen werden konnte, und so erklären sich die 
Rekordpreise. 
(Die Juli-Auktionen bei Helbing.) Am 1. Juli 
findet bei Hugo Helbing in München eine Versteigerung 
von Antiquitäten, alten Bildern, Möbeln, Teppichen, Gobelins 
und ostasiatischer Kunst statt. Den Katalog eröffnen einige 
antike Terrakottaplastiken, dann hübsche Fayencen und Metall 
arbeiten, darunter vorzügliche, zum Teil signierte Hiebwaffen 
des 16. und 17. Jahrh. Unter den Möbeln ist unter anderen 
bemerkenswert ein prachtvoller Louis XIV. Damenschreibtisch 
aus dem Jahre 1684, ein Geschenk des Herzogs Bernhart 
von Sachsen-Meiningen an seine Gattin Eleonore Char 
lotte, ferner ein Würzburger Barock Aufsatz-Schreibmöbel, weiß, 
reich vergoldet. Sehr interessante Stücke bringt die Abteilung 
Bilder, ein hübsches kleines Tryptichon aus der Zeit des 
Daddi, eine große Landschaft des Jakob Isak Ruysdael, ein 
hübsches Interieur, allem Anschein nach von P. S I i n,ge 1 an d, 
ein Frauenbildnis, zugeschrieben dem Gerard D o u, ein’ 
sitzender Mann, lebhaft in Farben, von Claesz Hals, eine 
Eislaufszene von Ant. van Stralen u. a. m. Daran schließt 
sich eine vorzügliche Kollektion persischer u. kleinasiatischer 
Teppiche, sowie 2 große figürliche Gobelins niederländischer 
Arbeit. Unter den Skulpturen besonders zu erwähnen ist ein 
großer Kruzifixus, aus dem engsten Kreise des Veit Stoß, 
sowie eine sitzende Maria mit Kind, Donau-Gegend um 1420.
	        
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