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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 2)

menschen und dergleichen hat man so gezeichnet gesehen und der junge Künstler wagt, 
das greifbar zu machen, um eine Stimmung seiner ringenden Seele los zu werden. Pariser 
Eleganz haben dagegen die Plastiken Edvard Wittigs, darunter das marrnorne Porträt- 
iigürchen einer jungen Dame in dezent bemessener Stilistik. Voll Kraft die Porträtmasken 
von Konstanty Laszczka. Alles in allem die lohnendste Ausstellung der bisherigen Saison. 
RODIN. Rodinsche Zeichnungen und Radierungen sah man im Kunstsalon Heller aus- 
gestellt. Die Berührung mit diesem mächtigen Geist erfrischt immer. In ihm quillt 
unendliches Leben und trachtet unausgesetzt, Form zu werden. Man kennt ja seinen Drang, 
aus dem Gewimmel von Motiven der Bewegung, der Erscheinung, der Veränderung, aus 
diesem rastlosen Kaleidoskop des Lebens Einzelheiten herauszuhaschen und eilends fest- 
zulegen. Als die Tänzerinnen von Kambodscha auf der MarseillerAusstellung agierten, konnte 
er sich an diesem unverballhomten Naturschatz von Originalbewegung, urwüchsiger 
Gebärde, Attitüde gar nicht satt sehen und satt skizzieren. Manches davon war auch hier 
ausgestellt, blitzartige Gedächtnisbilder, wie sie ein Kodakgehirn aufbewahrt. Alle Welt 
war allerdings von diesen Rodiniana nicht befriedigt. Es hieß, man stelle solche Dinge 
nicht aus. Nun, es gibt einige Leute, die das Talent haben, davon entzückt zu sein, wenn 
sie einen Blick in die künstlerische Hirntätigkeit eines solchen Eigenmeisters tun können. 
Wie das Motiv empfangen wird, was ihn an dem Motiv gereizt hat, wie er erregt nach- 
tastet und so eine Kurve ein dutzendmal probend hinsetzt, so daB die richtige gewiß darunter 
sein muß, . . . welche, das spürt dann wiederum nicht jedes Auge heraus. Und dieses un- 
endliche Spielen mit Möglichkeiten der Linie, der Fläche, des Verhältnisses, des Rhythmus, 
das unaufhörliche Experiment, wie sich diese Wesensteile fügen, schneiden, verschränken, 
sich suchen und meiden. Es ist da viel Verwandtes mit Klimt, dessen zahllose Zeichnungen 
nach der Natur eben solchen Problemen nachspüren und sie variationenweise ergründen. 
Auch wie Rodin diese Sachen zeichnet und mit einem Wölkchen Farbe so belebt, daB 
seine Absicht oder sein Wunsch deutlich wird, ist anziehend genug. Er hat sich dafür tat- 
sächlich einen Stil gemacht. Und man begreift, daB er gerade an diesen Arbeiten mit 
ganzem Herzen hängt und sie gar als Museum einrichten will. Das große Publikum wird 
ja nicht hineingehen oder gleich wieder hinaus, aber die Naturforscher der Kunst werden 
da gleichsam eine Sammlung finden von Phonogrammen des Rodinschen Gedankens. Näher 
hinan kann man an diesen nicht, wenigstens bei jetzigem Stand der Physik, also muß man 
sich schon mit solchem Archiv begnügen. Die Radierungen Rodins, meist Porträte (Hugo, 
Becque, Proust), sind die eines Bildhauers, der sich mit größter Genauigkeit über den 
physiognomischen Tatbestand unterrichten will. Wie bis ins kleinste arbeitet er so ein Profil 
aus, und manchen Kopf radiert er von drei Seiten, offenbar als Vorarbeit für die Büste. Die 
Ausführung ist denn auch nichts weniger als virtuos, eher geduldig und unbeholfen, wie 
Aufzeichnungen über einen Gegenstand, den man zu bearbeiten hat. 
IENER PHOTOKLUB. Dieser hervorragendste Amateurklub des Kontinents, der 
unter der Protektion Ihrer k. u. k. Hoheit der Erzherzogin Maria Josefa steht, feiert 
seinen zehnjährigen Bestand mit einer schönen Ausstellung bei Miethke. Gegründet 
wurde er x8g7 von Beamten der Österreichisch-ungarischen Bank, die auch seine erste tech- 
nische Einrichtung bestritt. Die Zeitströmung führte auch hier eine Sezession herbei, mit 
nachträglicher mehrmaliger Spaltung, wobei aber das Moderne den Sieg behauptete. Mit 
dem Erscheinen der Newyorker Photosezession auf seiner Ausstellung 1904 verstummte 
jede Gegnerschaft. Das rein künstlerische Moment wurde die Hauptsache, die Verwertung 
von Licht und Schatten, das Problem des Freilichts, dazu die lebensvolle Komposition, 
das heiße blitzschnelle Erfassung des günstigen Augenblicks, wo die Gegenstände sich selbst 
gut gruppiert haben. Auch wissenschaftliche Photographie wird mit Eifer betrieben. Tech- 
nische Errungenschaften werden alsbald verwertet und auch Neues geschaffen. So waren 
die orthochromatischen Bilder von Heinrich Kühns und Pichier die ersten in ihrer Art und
	        

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