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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 3)

Einfache Blattformen, zarte Schmetterlingsflügel in Rot oder Schwarz, 
etwas Gold, das zur Farbe des Horns und des Haares so reizvoll steht, die 
schlanken Gestalten der Libellen - wohl ein sinniges Symbol der Mädchen- 
seele, die im Sonnenglanz ihrer Anmut leicht beschwingt über den dunklen 
Fluten des Lebens zittert -, all das gibt er in seinen Kämmen und Nadeln 
mit einer ganz unfranzösischen Einfachheit und Natürlichkeit, die diesen an- 
spruchslosen Bildungen Beachtung und Beifall sichert. Auch die hübschen 
kleinen Büchsen und Schalen verdienen ihn. 
Pathetischer und zugleich prickelnder wirkt Georges Bastard mit seinen 
Perlmutterarbeiten auf uns ein. Auch eine Mode von vorgestern, mit bieder- 
meierlichem Lavendelduft. Also wieder eine Ausgrabung, besser gesagt, eine 
Umgestaltung. 
Es gab eine Zeit, in welcher der Glanz und das sanfte Brillantfeuerwerk 
der Muschel ganz materialistisch Bewunderung erregte als Kunstwerk der 
Natur. Deshalb fand es möglichst unverändert Verwendung, plattenförmig, 
in großen Flächen, deren verschiedenartiger Schimmer je nach der Lagerung 
höchstens durch Schnitzerei unterbrochen oder gehoben wurde. 
Georges Bastard hat erkannt, daß der Reiz des Perlmutterglanzes um 
so größer wird, je kleiner die Fläche wird, die ihn ausstrahlt. Er wird da 
beinahe dem Diamanten ähnlich, allerdings im Verhältnis etwa des sanften 
Mondlichts zum feurigen Sonnenball. Bastard betupft deshalb sozusagen 
einen Hornfächer nur mit kleinen Perlmutterblättchen, die auf der goldbräun- 
lichen Unterlage wie glitzernde Tautropfen ruhen. Es läßt sich nichts Zar- 
teres denken. Die Abbildung gibt durch das Fehlen der Farbe nur einen 
mangelhaften Begriff davon. Wie diese Tropfen oder Beeren auf dem fein- 
gefiederten, farnkrautartigen Schnitzwerk sparsam und feinfühlig verstreut 
sind, das zeigt die Meisterschaft in der Beschränkung. Auch Zucker- und 
Puderbüchsen in Holzschnitzerei hat der Künstler ähnlich mit Perlmutter 
geschmückt; dann Kämme, dunkelleuchtend und in schwarzem Haar gewiß 
sehr wirkungsvoll. Aufsehenerregender sind freilich einige Fächer, in denen 
der Muschelglanz auf etwas größeren Flächen stärker, wenn auch nicht so 
fein zur Geltung kommt. Da ist ein Fächer, auf dessen gelblicher Hornunter- 
lage Perlmutter nur für große Blätter Verwendung fand. Ein dritter aber ist 
ganz in Perlmutter geschnitzt, allerdings in dunkelschillerndem und in so fein- 
gefiederten Blättern, daß der Glanz nie aufdringlich wird. Denn die Fläche ist, 
wie die Abbildung zeigt, nirgends glatt, sondern in zartester Durchbruch- 
arbeit gegliedert und auf den größeren pfauenaugenartigen Endungen mit 
Engelsköpfchen geschmückt. Ganz leicht wiegen Perlmutterfächer allerdings 
nicht, weit schwerer natürlich als Seide und Horn. Es gehört eine tennis- 
erprobte Hand dazu. 
Der dritte im Bunde der Pariser Künstler, die durch die Briinner Aus- 
stellung unseres Wissens zum ersten Mal außerhalb Frankreichs bekannt 
werden, ist ein Ehepaar, Monsieur und Madame Felix Massoul. Sie sind Kera- 
miker und eine Gruppe ihrer Vasen, Schalen und Teller erfüllen die Aus-
	        

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