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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 3)

wurde eingehend berücksichtigt, ohne das Buch mit Unbedeutendem oder Nebensächlichem 
zu beschweren und dank der bereits vorliegenden historischen Forschung ist es dem Ver- 
fasser gelungen, diesen wichtigsten Teil seiner Ausführung in lebendiger und fesselnder 
Form zur Darstellung zu bringen. jede der vier größeren künstlerischen Epochen wird 
dem Leser unter Herbeiziehung einer ansehnlichen Zahl von Beispielen vor Augen geführt. 
Die Entwicklung unter Böttger, die unter Herold, der weitere Fortschritt unter Kändler und 
die Periode von Kändler bis Marcolini. Die nachklassische Zeit Meißens und die neuere 
und neueste Produktion zu schildern, behält sich der Verfasser für einen zweiten Band 
vor, der im nächsten jahre erscheinen soll. 
Einleitend befaßt sich Doenges mit der Frage, ob die Priorität der Erfindung des Por- 
zellans Böttger oder Tschirnhausen zuzuschreiben sei, da in neuester Zeit sowohl durch 
Professor Dr. Reinhardt wie durch Hermann Peters der Nachweis versucht wurde, daB 
Tschimhausen als eigentlicher Erfinder des europäischen Porzellans anzusehen sei. 
Wie nach den Ausführungen Dr. Ernst Zimmermanns im Neuen Archiv für sächsische 
Geschichte und Altertumskunde, Band 28, zu erwarten war, entscheidet er sich für Böttger. 
Eine sehr interessante und hier zum ersten Mal publizierte Arbeit aus der Zeit Böttgers 
ist der Trinkbecher in Form eines Schlüssels aus weißem, plastisch verziertem Porzellan, 
in dem August dem Starken bei einem Besuch Meißens der Willkommtrunk kredenzt 
wurde. Auch eine Reihe von Modellen für Figuren von Kändler, Eberlein, Friedrich Elias 
Mayer, Acier und anderen sind hier zum ersten Mal publiziert und namentlich verdienen 
die Reproduktionen aus der Sammlung C. H. Fischer in Dresden besondere Beachtung. 
Das Hauptverdienst des Buches liegt aber in der umsichtigen Ausnutzung der gesamten 
einschlägigen Literatur, in der ansprechenden, klaren Darstellung und in der übersichtlichen 
Anordnung und Zusammenfassung des Stoffes. 
Von besonderem Wert für den Sammler wird das Buch durch die eingehende Be- 
sprechung des Markenwesens. Der Verfasser hat nicht allein alle bei Berling abgebildeten 
Marken aufgenommen, sondern die mannigfachen Typen noch um eine bedeutende Zahl 
vermehrt. Überdies fügt er den Meißener Marken noch eine große Anzahl älterer deutscher, 
französischer und holländischer Marken hinzu, die der Meißener Marke ähnlich sind, und 
unterläßt es nicht, überall, wo sich Gelegenheit hiezu bietet, den Sammlern willkommene 
Winke und Ratschläge zu geben, so daß Doenges Arbeit in weiteren Kreisen Freunde 
finden wird. J. Folnesics 
EUE KATALOGE DES PRAGER KUNSTGEWERBEMUSEUMS. 
Für eine Ausstellung, deren Zweck darin bestand, die Entstehung der Porzellan- und 
Steingutindustrie Böhmens zur Anschauung zu bringen und die vom 21. November 1907 
bis 26. Jänner 1908 in den Räumen des Kunstgewerblichen Museums der Prager Handels- 
und Gewerbekammer stattfand, hat die Direktion dieses Museums unter hervorragender 
Beteiligung des Herrn Dr. F. jiröik einen Katalog herausgegeben, der sich als Arbeit von 
dauerndem Wert darstellti. Der großen Anzahl in Betracht kommender Fabriken ent- 
sprechend, gliedert sich der Katalog in eine Reihe von Abschnitten, an deren Spitze ein 
kurzer historischer Überblick über Entstehung, Verlauf, charakteristische Eigenart und 
Markenwesen des betreffenden Unternehmens Aufschluß gibt. So werden wir der Reihe 
nach vor die Steinguterzeugnisse von Prag, Teinitz a. d. Sazawa, Dallwitz, Schelten, Bistritz, 
Alt-Rohlau, Klentsch und Bodenbach geführt. 
In den Anfang der neunziger ]ahre des XVIII. Jahrhunderts reichen bekanntlich die 
Gründungen der Porzellanfabriken in Böhmen zurück. Da ist es vor allem Klösterle, ferner 
Schlaggenwald, dann Pirkenhammer, Gießhübel, Elbogen, Fischern, Unter-Chodau und 
Prag, deren älteste Erzeugnisse in charakteristischen Stücken beschrieben werden. 
Ergänzend treten zu dieser Schau böhmischer Steingut- und Porzellanfabriken noch 
die Fayence-Erzeugnisse von Holitsch, Proskau und Weißkirchen hinzu. Auch einige 
" Katalog der Ausstellung von keramischen- und Glasarbeiten böhmischen Ursprungs. Prag 1908.
	        

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