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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 5)

DIE GARTENKUNST HP VON HARTWIG 
FISCHEL-WIEN S0- 
ßä  S gibt wohl keinen Zweig der künstlerischen Be- 
{i  fyiil-IÖÄW tätigung, der so innig mit unserer Liebe zu der 
i i uns umgebenden Natur verwachsen ist, wie die 
Gartenkunst. Nur wer die Lebensbedingungen der 
Pflanzen kennt, die Einflüsse des Klimas, der 
_ Bodengestaltung verfolgt und die unendlich 
, , mannigfaltige Farben- und Formenwelt der Flora 
seines Landes gut studiert hat, wird eine Garten- 
schöpfung von dauerndem Wert hervorbringen 
können. Und doch ist es dazu bei weitem nicht ge- 
nügend, wenn diese Kenntnisse allein vorhanden sind. Erst wenn das künst- 
lerische Empfinden, die Gestaltungskraft eines geschmackvollen Geistes alle 
leitenden Grundsätze diktiert, wird unsere Liebe zur Natur und die Kenntnis 
ihrer Gesetze auf einem Fleck Erde jene kleine Zauberwelt erstehen lassen 
können, die ein gut gebildeter Garten stets bilden soll. 
Der künstlerisch begabte Gärtner und der gärtnerisch geschulte Künstler 
bewegen sich im Streben nach einem einzigen Ziel auf getrennten Wegen, 
und je nachdem der eine oder der andere den Vorrang gewinnt, wird das 
entstehende Werk in eine besondere Richtung gedrängt. Tatsächlich bedeuten 
die beiden großen Gegensätze des landschaftlich und des geometrischgeplanten 
Gartens nur Endpunkte zweier Entwicklungsreihen, die auf grundsätzlich 
verschiedenen Anschauungen aufgebaut sind. Ihre Verteidiger bekämpfen 
sich, wo sie zusammentreffen. Und wenn in jüngster Zeit die alte Gegner- 
schaft zu neuen Fehden führt, so dürfen wir darüber nicht erstaunt sein. 
Eine Wandlung in der Gartengestaltung muß immer wieder eintreten, 
wenn eine starke künstlerische Betätigung ihre Arbeitsfelder gründlich be- 
baut. je größer das Interesse an den Werken der Baukunst wird, je inten- 
siver der Architekt sich in das Wesen seiner Aufgaben versenkt, desto größer 
wird auch die Sphäre seiner Einflußnahme werden. Es kann ihm nicht ge- 
nügen, ein Bauwerk vom Papier in die Wirklichkeit zu übertragen ohne sich 
weiter darum zu kümmern, wie dessen Umgebung gestaltet ist. Innerhalb 
der Städte wird er allerdings selten in die Lage kommen, die weitere Umge- 
bung seiner Schöpfungen umbilden zu dürfen. Im günstigsten Fall wird er 
auf Platzbildungen, Terrassierungen und Niveaufragen Einfluß nehmen 
können. Nur wenn öffentliche Parkanlagen als geschlossene Bildungen ge- 
schaffen werden sollen, wird er die Grundlagen der Gesamtdisposition fest- 
zustellen haben, insbesondere dort, wo Bauwerke stehen. 
Der für ihn weitaus günstigere Fall ist das Wohnhaus am Lande, das 
Schloß im Park, wo das Bauwerk, losgelöst von den Fesseln städtischer 
Bedingungen, in die freie Natur zu stellen ist. Da wird der Architekt natur- 
gemäß den Platz, auf den er sein Haus stellt, die Umgebung, welche zu diesem 
  
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