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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 6 und 7)

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Viel bedeutungsvoller sind die zahlreich erhaltenen Zeugen der vergan- 
genen Zeit, die als protohistorische Funde ausgegraben sind oder als lebendige 
Sitte noch heute herrschen. Alle Abweichungen gegenüber den Gewohnheiten 
der steinzeitlichen Ureinwohner und denen des späteren chinesischen Ein- 
fiusses können als Eigentümlichkeiten der erobernden Einwanderer ange- 
sehen werden. Rasse und Sprache lassen die malaiische Abstammung 
erkennen. 
Die steinzeitliche Erdjurte wurde verdrängt von dem Pfahlbau (Abb. I6), 
der sich in der heimatlichen Ansiedlung der Malaien am Wasser entwickelt 
hatte. Das Satteldach in gerader Linie ist mit Schilf oder Rohr bedeckt und 
erst unter dem späteren chinesischen Einfluß kommt die gebuchtete Linie 
und das Schindel- und Ziegeldach auf. Die Tempelanlage zeigt keinen syste- 
matischen Grundriß, sondern einen umfriedeten Platz, in dem der Haupt- 
tempel, ursprünglich wohl nur die I-Iütte oder die Schatzkammer des I-Iäupt- 
lings, das „Tabu" der Australier, mit einigen Nebengebäuden steht. ' 
Ein wirklicher Tempel als Stätte des Kultus scheint ursprünglich un- 
bekannt gewesen zu sein, wie auch vor der Einführung des Buddhismus 
kein eigentliches Gotteshaus existiert haben dürfte. Einzelne besonders schön 
gelegene Plätze, Quellen oder eigentümliche Bäume wurden als Sitz der 
guten Geister verehrt und eingezäunt. Es war eine Natur- und Ahnenver- 
ehrung, der jede bildliche Darstellung fremd war. 
Die Leiche wurde nach den Funden der Totenbeigaben nur wenige 
Meter unter der Erde verscharrt. Die gewaltigen Grabhügel dagegen sind 
erst nach der Berührung mit dem asiatischen Festland aufgekommen, da in 
ihnen ausschließlich eiserne, einschneidige, gerade Schwerter gefunden wur- 
den, während die zweischneidigen Bronzeschwerter der älteren Zeit nur im 
flachen Boden ausgegraben worden sind. Trotz der späteren Herstellung der 
zahlreich erhaltenen Kaisergräber können wir eine Reihe vonTotenbeigaben in 
ihnen, besonders die Töpfereien, Glasperlen und Steinornamente als charak- 
teristisch für den Stil aus der frühen Zeit der malaiischen Einwanderer 
ansehen, da unter dem chinesischen Einfluß eine Umformung stattfand. 
Im Gegensatz zu der mykenischen Art Chinas finden wir hier die 
Bewaffnung der klassischen Griechen. Der große Bogen, das kurze zwei- 
schneidige, lanzettförmig gebuchtete Schwert mit starker Mittelrippe und 
breit verlaufendem Ansatz, über welchen der Griff lappenförmig herumgreift, 
sowie die zweischneidige Lanze mit starker Mittelrippe könnten ebensogut 
von den Helden Homers gebraucht sein (Abb. 17). 
Zum Schutz gegen die zurückschnellende Sehne des Bogens wird seit 
altersher in Japan ein Armpolster verwendet, der auf dem asiatischen Fest- 
land für die von Persien bis China üblichen kleinen Reiterbogen unbekannt 
blieb. Auf Steinreliefs von Ninive aus dem VIII. Jahrhundert vor Christi sind 
am Arm Lederriemen und Polster zum gleichen Zweck dargestellt. 
An Stelle der lebenden Opfer wurden den Fürsten Toniiguren in die 
Gräber mitgegeben. Häufig sind die Menschengestalten in Glockenform 
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