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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 6 und 7)

es sind eben ganz einfach 
Ornamente, wie sie sich aus 
dem Zusammenwirken von 
Stoff und I-Iandwerkszeug 
als selbstverständlich er- 
gaben. Sie haften traditionell 
fest, am architektonischen 
Gerüst am meisten, vor 
allem aber auch in den Ar- 
beiten des „Hausfleißesß 
in jenen Gebrauchsgegen- 
ständen (Abb. 15 bis I9), die 
der Bursche dem Mädel, die 
der Bräutigam der Braut, 
die der Mann seiner Gattin 
schenkt, in den Arbeiten, die 
während langer Winter- 
abende, bei seefahrenden 
Völkern während der Muße- 
Stunden auf dem  ent- Abb. r5. Kunszgewerbe-Museum zu Flensburg. Deckel zu einem 
stehen. Oft War der Hauser_ Halskrausenbehälzer, Eichenholz. Nordfriesland, 1670. Haustleiß 
bauerauchHausfleißkünstler. 
Den von männlicher Hand unter Anwendung schneidender Instrumente ent- 
standenen und zusammengefügten Arbeiten dieser Art, in denen sich die 
gleichen Ziermotive während Generationen und Generationen immerfort er- 
halten, stehen die von Frauenhand hergestellten Textilien gegenüber, die 
dadurch erhöhte Bedeutung gewinnen, daß sie sehr oft zur Hausindustrie, 
also zur Arbeit für den Markt führen. Gerade für das hier in Frage kommende 
Ländergebiet ist dies vielfach der Fall. Auch hier bleiben die richtigen Stil- 
traditionen, wie sie sich aus der Technik des Webstuhls ergeben, oft unver- 
ändert bestehen, selbst in Zeiten, wo bereits allerlei gewagte iigurale Dar- 
stellungen auftreten. Ein im Museum zu Flensburg befindliches Büchlein, 
dessen Autor sich nicht nennt, gibt eine Unzahl vortrefflicher Anleitungen für 
Herstellung einfacher, aus dem Viereck entwickelter Webemuster (Abb. 20), 
die dann in Arbeiten, wie Abbildung 22 und 23 sie zeigt, ihre Weiterent- 
wicklung finden. Abbildung 24 zeigt dagegen deutlich den EinHuß malerisch- 
omamentaler Tendenzen. Das für das Auge niemals ermüdend wirkende 
einfache und bedeutungslose Flächenmuster ist verdrängt durch komplizier- 
tere, in ihrer endlosen Wiederholung aber keineswegs abwechslungsreicher 
wirkende iigurale Muster, die obschon im Bauernhaus gewoben, doch nicht- 
bäuerlichen Einiiuß in deutlicher Weise zeigen. Auf dies Gebiet wird später 
zurückzukommen sein. 
Ursprüngliche Formen halten sich weiter in der bäuerlichen Keramik, da 
und dort auch in den Edelmetallarbeiten, Einlagen von Silber auf Holz, vor 
 
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