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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 6 und 7)

Völkerfamilie, so sind doch zwischen ihnen Unter- 
schiede einschneidendster Art in Menge vorhan- 
den. Die Anlage des Bauernhofs schon gibt dafür 
ein drastisches Beispiel. Übrigens sind die nörd- 
lich dieses Grenzwalles wohnenden Dänen keines- 
wegs immer ruhig hinter ihrer Deckung gesessen. 
In manchem Feldzug wurde er überschritten, um 
den Besitz des Landes in mancher blutigen Fehde 
gefochten. Die Geschichte des Landes ist ein durch 
kürzere oder längere Friedenspausen unterbroche- 
nes ständiges Raufen um die Regierungsgewalt 
und - last not least - um die möglichst aus- 
giebige Anteilnahme der gesellschaftlich Höheren 
am Besitz der ihnen Unterstellten. Kämpfe wie die- 
jenigen der Ditmarsen um das Recht der freien 
Selbstregierung, endigten, bloß für einen Teil des 
Landes von Belang, zuerst in der blutigen Schlacht 
am Dusend-Düvels Worf bei Hemmingstedt mit 
der vollständigen Vernichtung eines dänischen 
Ritterheeres. Ein halbesjahrhundert später rnußten 
die freien Bauern nicht nur die vordem erbeuteten 
Fahnen, eigenes Geschütz und Waffen an Herzog 
Adolf von Gottorp, den Bruder Christians III. von 
Dänemark, ihren Überwinder, abliefern, sondern 
auf freiem Felde den Huldigungseid leisten und 
vierundzwanzig der angesehensten Männer, da- 
runter den nachmals zu hohen Ehren gelangten 
Markus Schwin aus Lunden, als Geiseln stellen. 
Die Verhältnisse ließen sich indes gerade im 
Westen des Landes für die Bewohner weit gün- 
stiger an als im Osten, blieb doch die freie Selbst- 
Verwaltung der Gemeinden, die frei gewählte 
Obrigkeit und manches andere bestehen, was 
nicht nur eine leichtere Bewegung überhaupt ge- 
stattete, sondern auch in kultureller Beziehung von 
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Abb. 26. Kunstgewerbemuseum zu 
Flensburg. Madonnenstatue aus 
Eichenholz mit Resten der Be- 
malung, Nordschleswig. XVJahr- 
hundert 
größter Wichtigkeit war. Für die Bedeutung der Kunst im Hause sind 
diese Verhältnisse von größtem Belang gewesen. Eine kurze Erläuterung, 
wie sie Meiborg in seinem grundlegenden Werke: „Nordiska Bondergaarde 
i det x63 17' og x8' Aarhundrede, Kjpbenhavn bei Lehmann und Stager, 1893" 
(deutsch von Richard Haupt, Verlag von Jul. Berger in Schleswig 1896) gibt, sei 
deswegen hier eingefiochten. Sie ist, weil bezeichnend für die völlig diffe- 
rierende Entwicklung der Landesteile, von Belang. Es heißt da pag. 26: „Im 
Westen waren viele Bauern Eigentümer, doch war die Zahl der Erbpächter 
weit größer. Diese standen jenen nur wenig nach, da ihnen die Gebäude mit 
49'
	        

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