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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 8 und 9)

Für die Klosterarbeit des Mittelalters kommt ebenfalls die Intarsia in 
Betracht; im XVJahrhundert haben ihr zahlreicheVertreter desDominikaner- 
ordens ihre Kräfte und wohl auch ihre beschauliche Stimmung gewidmet. 
Allerdings ist hier, in der Gotik, noch lange nicht jene spezialisierende Iso- 
lierung erreicht, die wir späterhin kennen lernen werden; dazu waren die 
damaligen Kunstarbeiter zu sehr einheitliche Künstler und Handwerker 
zugleich, so daß mindestens die Holz- 
kunst nach den verschiedensten Richtun- 
gen gemeinsam behandelt wurde. Doch 
scheinen vor dem XV. Jahrhundert noch 
immer Stein und Bein vor dem Holz vor- 
geherrscht zu haben. 
Das Berliner Kunstgewerbemuseum 
besitzt in seinem Raum für Kirchenaus- 
stattung (n) viele Hächige Schnitzerei, die 
bereits auffallend an Intarsia gemahnt, 
und stellt neben jenes Wetzlarer Kästchen 
eine gleichalterige deutsche Schreibtafel 
(Diptychon) aus geschnitztern Holz mit 
farbigen Einlagen, die bereits zu den fei- 
neren Arbeiten unserer Kunst gerechnet 
werden kann. Allerdings gibt es vor dem 
XV. jahrhundert hauptsächlich ornamen- 
tale Geometrieformen. Derartiges mehrt 
sich im XV. Jahrhundert. (Ebenda Glas- 
kasten 85 und Raum n; Tiroler Kästen 
und Truhen, zum Teil mit gröblicher 
Ausführung, zum Teil auch mit Eisen- 
einlagen, führen in Virtuositäten der Spät- 
gotik ein, was zum Beispiel die turm- 
artigen Phantasiearchitekturen aus hell- 
bis dunkelbraunen Hölzern einer Tiroler 
Truhe zeigen.) 
Auch Frankreich dürfte wohl schon 
früher als im Jahre 14x6 (das in diesem 
Zusammenhang erwähnt wird) Intarsia 
gepflegt haben, wenn auch nur im An- 
schluß an Italien. Dieses hatte seit längerem die sich hier gruppierenden 
Techniken in der Gewalt. Zahlreiche Dekorationsweisen der Groß- und 
Kleintektonik gingen der uns interessierenden Intarsia voraus. Um x3oo 
blühte jene Cosmaten-Familie, welche in reichhaltiger dekorativer Weise 
Architektur und Skulptur und Musivik zu kombinieren verstand; das aus dem 
Orient stammende „Certosa-Mosaik" schloß sich an; und seit etwa 1400 
arbeitete zu Venedig die Embriacchi-Familie mit Künsten, bei denen zum 
Arbeitstischchen mit Marketerie von Delorme, 
Kollektion Camondo, nach Molinier
	        

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