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Full text: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 8 und 9)

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in ihm lebte eine Volkstümlichkeit, insbesondere in kleinen Städten, die 
Ursprünglichkeit besaß, ohne Reichtum vorauszusetzen. Sehr wertvoll er- 
scheint auch die Betonung der handwerklichen Seite des Kunstgewerbes. 
Der reiche Vorrat an Einzelobjekten gestattete eine Gruppierung der Aus- 
stellungsobjekte nach Techniken und Materialien, außerhalb der Anordnung 
nach territorialer Zugehörigkeit und nach Gesamtbildern. 
Die schwedische Bevölkerung ist trotz der Einheitlichkeit der Sprache 
abgestuft nach Provinzen von deutlich getrennter klimatischer, geologischer 
Beschaffenheit und auch kunstgewerblicher Betätigung. Gebirge und Acker- 
land, Wald und Wiesengegend, Meeresküste und Binnenseen riefen auch 
verschiedenartige Neigungen und Bedürfnisse hervor. Auch Wechsel- 
beziehungen mit Nachbarvölkern, wie den Finnländern und Lappländern, 
Handelsbeziehungen und kriegerische Unternehmungen hinterlassen ihre 
Spuren. So ist eine große Mannigfaltigkeit gegeben, trotzdem ein gemeinsames 
Band alle die Lebensäußerungen umschließt. . 
Diesen Verhältnissen wurde das Gebäude durch die große Anzahl von 
Kompartimenten gerecht, die sich längs der Galerien der Halle in gerader 
Flucht aneinanderreihen. Die Halle selbst dürfte einen musealen Zweck 
durch Aufnahme der Gegenstände der Leibrüstkammer erhalten. 
Im Zusammenhang mit dem benachbarten Freiluftmuseum bildet so der 
neue Museumsbau wirklich das würdige Denkmal skandinavischen Volks- 
tums, zielbewußten energischen Strebens und stolzer Selbstachtung, das nur 
eine freie und starke Nation schaffen konnte. 
Das begeisterte und sichere Eintreten des schwedischen Volkes für die 
eigene Sache hat ihm auch die Anerkennung der ganzen europäischen Kultur- 
welt gesichert, die in dem Nordischen Museum zu Stockholm eine höchst 
wertvolle Bereicherung ihres Besitzes als Kunst- und Kulturdokument 
erblicken kann. 
AUS DEM WIENER TKÜINÄSTLEBENA" 
LUDWIG-I-IEVESqI-WIENLW  ..  4 
OMMERKÜNST. Die Fremden, die im Sommer durch Wien reisen, fragen sich 
vermutlich mancherlei. Ganz gewiß aber fragen sie sich, warum nicht in Wien, wie in 
nachgerade allen deutschen Kunststädten, auch im Sommer eine vollgültige Kunstausstellung 
sei. Wenn die seit einigenjahren gebräuchliche Sommerausstellung imKünstlerhaus von den 
Leuten „Fremdenausstellung" genannt wird, hat dies immer so den gewissen beleidigenden 
Tonfall, wie wenn man etwas nicht ernst nimmt. Denn eine interessante Fremden- 
ausstellung ist doch nur eine, in die auch der Einheimische gern hineingeht. Tut er dies 
nicht, so lohnt sich der Besuch gewiß auch für den besseren Fremden mit nichten. Diesen 
Sommer nun haben wir in Wien die „Kunstschau" der Klimt-Gruppe gehabt, eine bedeutende 
Ausstellung, die interessanteste dieser Saison, wie kürzlich auch Hermann Muthesius in 
„Kunst und Künstler" ausführte. Und sie war nichts weniger als tot, auch in den toten 
Monaten. Sie war ein neuer Beweis, daß für etwas wirklich Sehenswertes in Wien jederzeit 
ein Publikum vorhanden ist. Auch im „I-Iagenbund" hielt die stattliche jubelausstellung
	        

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