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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 8 und 9)

Unter den Holzschnitzereien aus Nonnberg fallen zunächst zwei Spezereibehälter in 
Form von Löwen auf, von denen besonders der eine noch ganz romanischen Typus zeigt. 
Ein reicher in Holz geschnitzter und bemalter Flügelaltar der spätgotischen Zeit ist wohl 
als Salzburger Arbeit anzusehen und von großer Schönheit. Eine Holzstatuette, Maria 
mit dem Kinde darstellend, von kräftiger und zugleich schwungvoller Form, gehört 
noch dem XV. Jahrhundert an; eine gleichfalls in Holz geschnitzte und bemalte Statuette, 
die heilige Anna, ist jünger (1. Hälfte des XVI. Jahrhunderts), aber von besonderer 
Schönheit. Unter den Metallarbeiten aus dem Nonnberger Stifte fällt ein Nürnberger 
Nautilusbecher von x648 auf. Sehr groß ist weiterhin die Zahl trefflicher Eisenarbeiten 
(vergoldeter Leuchterarme, Schlösser, Hostierieisen), Kästchen, Model und anderes aus den 
verschiedensten Zeiten; diese Werke sind jedenfalls ein beredtes Zeugnis für die Kunst- 
freundlichkeit des alten Stiftes, das, nebenbei bemerkt, heute noch durch die Pflege zarter 
Nadelarbeit hervorragt. 
Aus der Kirche des vor wenigen Monaten abgebrannten Ortes Lessach im Lungau 
ist ein Meßkleid ausgestellt; da es verspätet eingelangt ist, fehlt es im Kataloge. Es trägt 
das Wappen der Rottmayer und die Jahreszahl x 566 aufgestickt; ohne diese Zahl würde 
man den prächtigen Stoff des Meßkleides für weit älter halten - natürlich könnte er es auch 
trotz der Jahreszahl sein. Symmetrisches Pflanzenwerk und symmetrische Hunde über einer 
geflochtenen Hürde lassen zunächst an ältere Zeit denken; doch stimmt dann bei näherer 
Besichtigung die Art, wie der grüne Samttlor des Musters mit den vereinzelten roten und 
blauen Blumen auf dem glatten bläulichen Grunde aufsitzt, schon zu der plastischen Auf- 
fassung und eigentümlichen Farbengebung der Renaissance; einige Stellen des Musters 
sind übrigens durch aufgesticktes Gold gehoben. 
Unter den geistlichen Ausstellern wären noch die Kollegiatstifte Mattsee und See- 
kirchen, das Augustinerstift Klostermühlen und das Ursulinenkloster in Salzburg zu 
erwähnen. 
Von Interesse sind auch die verschiedenen wertvollen Zunftzeichen und sonstigen 
Besitztümer der Innungen, wie das spätgotische Kreuz der Fleischerinnung in Salzburg. 
Fast einen ganzen Raum für sich nimmt die Finksche Sammlung ein; sie umfaßt sowohl 
Möbel, besonders aus der Renaissance, als auch Gobelins und Kleingeräte, vor allem aber 
Prunkwaffen der alten Salzburger Erzbischöfe. Es sind Stücke, die im Jahre x8og und zu 
anderer Zeit ins Ausland gelangt waren und von dem jetzigen Besitzer an vielen Orten, 
vor allem in München, zurückgekauft worden sind. In demselben Raum wie die Finksche 
Sammlung befinden sich übrigens noch zwei schöne geschnitzte Renaissanceportale aus 
salzburgischen Patrizierhäusern. 
In dem anstoßenden Raume sind mehrere alte Einrichtungen und Einzelstücke, die 
von der späteren Renaissance bis zum Empire reichen, ausgestellt. Unter anderem wäre 
ein sehr schöner Barockschrank aus Neumarkter bäuerlichem Besitze hervorzuheben; 
die maßvoll und doch kräftig geschnitzten Ranken sind besonders gut durchgeführt. Es 
handelt sich jedenfalls um eine Arbeit, die später, als sie nicht mehr „modisch" war, zu- 
fällig an einen abgelegeneren Ort versprengt wurde; im ganzen ist das Werk den in der 
Nähe aufgestellten Kapitelstühlen aus Sankt Peter verwandt. 
Ein Rokokobett, das sich heute in demselben Besitze wie der eben angeführte 
Schrank befindet, ist eine der sonst in Österreich so seltenen Naturholzarbeiten der 
Rokokozeit und läßt sich einigermaßen den Lütticher oder Aachener Erzeugnissen ver- 
gleichen. Eine bemerkenswerte Vertretung findet das Rokoko auch durch einen großen 
Eckschrank aus dem Besitze der Frau Straubinger zu Saalfelden; leider ist nur die Be- 
malung nicht mehr erhalten. Besonders reich tritt diese dafür in einer Einrichtung (Schrank, 
Bett und anderes) hervor, Eigentum des Vizebürgermeisters Ott; es zeigt sich hier noch 
im jahre 1813 ein volkstümliches Fortleben der Louis-XVl-Formen. 
Eine ausgesprochen volksmäßige „Mühltruhe" von 1834 zeigt neben strengen Stili- 
sierungen ganz naturalistische Darstellungen (Landschaften und Tiere) in flacher Holz-
	        

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