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Full text: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 10)

Schürze aus der Sammlung Emil Grauer in 
Troppau (rotes Rad) und anderen Figuren. 
Die beiden Menuett-Tänzer des Berliner 
Kunstgewerbemuseums (abge- 
bildet bei Brüning, Das Porzel- 
lan, Seitexöo) sind gleichfalls Mo- 
delle, welche der Frankenthaler 
I-lannong - Zeit nachempfunden 
sind. Kulturgeschichtlich inter- 
essant ist die Freimaurergruppe 
aus dem Besitz des Herrn 
Dr. von Dallwitz in Berlin 
(eisenrotes Rad und C, Abbil- 
dung Seite 553), die mit einer 
in denselben reichen deutschen 
Rokokoformen modellierten Lie- 
besgruppe bei Herrn Schöller 
in Berlin (farbig abgebildet bei 
Brüning, Tafel XXX, mit gol- 
denem Rad) von Brüning in 
Bemalte Höchster Familiengruppe Knabe am Gängelband, . ._ 
um 1755 (Sammlung Karl IMayer in Wien) SCIUCITI obenerwahnten Werke 
vortrefflich charakterisiert ist 
und von ihm versuchsweise dem Modelleur Russinger zugeschrieben wird. 
Im Gegensatz zu diesen gedrungenen Figuren mit runden Köpfen 
stehen die Formen eines Modelleurs, der zwei hübsche figurale Leuchter 
modelliert hat. 
Es sind schlanke, zierlich bewegte Gestalten, ein Schäfer und eine 
Schäferin, die sich umarmen und die Leuchterarme halten, am meisten noch 
an Ludwigsburger Modelle erinnernd. Vielleicht damit zu erklären, daß 1765 
ein Bossierer und Former aus der Ludwigsburger Fabrik probeweise ein- 
gestellt wurde. Die beiden hier abgebildeten Modelle (Abbildungen Seite 555), 
nahezu identisch mit minimalen Varianten, sind in der Sammlung Schöller 
in Berlin; dasselbe Modell kommt auch bei Herrn Dr. List in Magdeburg 
vor, mit purpurrotem Rad und gleichfarbigem Malermonogramm R, das 
nicht zu identifizieren ist. 
Die hier versuchte erstmalige Skizzierung der Höchster Plastik vor 
Melchior wird sicherlich noch bedeutende Erweiterung und Detaillierung 
erfahren, wenn man auf Grund derselben und der abgebildeten Modelle in 
Museen und Privatbesitz systematisch weitersucht. Denn sie bilden nur einen 
kleinen Teil der urkundlich während der ersten 20 Jahre des Bestehens der 
Manufaktur, also seit 1746 in derselben modellierten Figuren und Gruppen. 
Jedenfalls sind damit aber feste Grundlagen für weitere Studien gegeben und 
eine ziemliche Anzahl bisher anonymer Modelle für die kurmainzische Manu- 
faktur festgelegt.
	        

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