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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 10)

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Die assyrische Bau- 
kunst hat vorwiegend 
jene Treppenformen 
ausbilden können, die 
durch Verlagerung oder 
Anlehnung an den Un- 
terbau der Terrassen 
entstanden. Die ägyp- 
tische Architektur kennt 
wohl auch jene frei 
zu kleinen Tempelan- 
lagen führende einarmige 
Treppe, welche später 
die römische Baukunst 
übernahm (von den so- 
genannten Typhonien), 
sonst aber sind dort 
Freitreppen seltener. Im 
Innern der Bauwerke 
bleibt die Treppe noch 
Nutzbau. In den mäch- 
tigen Pylonen füllen in 
der Regel mehrarmige 
Treppen den hohlen 
Kern. In den kolossalen 
Pyramiden führen zu- 
meist Rampen zu den 
Grabkammern. Solche 
Anlagen haben sich 
nicht zur Kunstform erhoben und es scheint, daß der ägyptische Baukünstler 
dem sichtbaren Stufenbau weniger zugeneigt war wie der assyrische und 
persische. Asien ist so die eigentliche Heimat großartiger Treppenbauten 
geworden. 
Indien schwelgte gleichfalls in kolossalen Substruktionen und reichen 
Stufenbauten und in der Pagode hat das östliche Asien eine abnorm hohe 
Form des Etagenbaues entwickelt. (Die Stufenpyramide der Ägypter hat 
nichts mit Geschossen zu tun.) 
Vielleicht hängt das Vorbild der gewaltigenBerge,welche das östliche und 
südliche Asien kennen, mit der Vorliebe der Asiaten zusammen, ihre Tempel- 
bauten hoch in die Wolken ragen zu lassen und dem Irdischen zu entrücken. 
Während Ägypten auch seine größten Bauwerke wie aus einem einzigen 
Felsblock gemeißelt erscheinen läßt und selbst die Pyramiden mit polierten 
Granitplatten bedeckt, sieht der Asiate in der Vielgeschossigkeit seiner Bau- 
werke einen besonderen Reiz. Aus verhältnismäßig kleinen Elementen baut 
 
Kapellenaufgang in Schwaz (Tirol)
	        

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