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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 11)

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Abtei St. Lambrecht unter anderm ein Gremiale aus dem Jahre 1627, eine 
in verschiedenen Techniken ausgeführte reiche Stickerei in Gold, Silber 
und bunter Seide auf weißem Seidendamast, enthaltend als Mittelbild 
den Stammbaum Christi, in der breiten Umrandung zwischen formvoll- 
endetem Ornament 14 Darstellungen aus dern Leben Christi und in den 
Ecken die vier Evangelisten. Die umfangreiche gut verteilte Goldinschrift 
besteht aus romanischen Majuskeln. Die folgende kirchliche Eckgruppe ent- 
hielt drei Flügelaltäre, darunter einen aus der Kapelle in Groß-Reifling in 
Obersteiermark, der das hervor- 
ragendste Stück der kirchlichen 
Abteilung des kulturhistorischen 
und Kunstgewerbernuseums in 
Graz bildet. Er zeigt an den gemal- 
ten Flügeln und an der Predella 
in Temperamalerei die Darstellung 
des Leidens Christi, mit starker 
Anlehnung an die kleine Passion 
Dürers. Die über das Mittelmäßige 
reichende Malerei ist mit AA r 5 I8 
gezeichnet, was an Albrecht Alt- 
dorfer denken ließe, doch spricht 
die Malweise nicht dafür. Trotz 
mancher Versuche konnte der 
Künstler bisher nicht bestimmt 
werden. Aber es ist sicher an- 
zunehmen, daß dieser Altar in 
Steiermark entstanden ist. Dafür 
spricht besonders die noch spät- 
gotische Schnitzarbeit an den 
oberen Teilen der inneren Flügel- 
bilder und in dem Mittelbilde, 
welches Christus am Kreuze mit 
Maria, Johannes und Magdalena 
und zwei schwebende Engeln als 
Volli-iguren unter einem Baldachin aus Maßwerk zeigt. Weiters enthielt die 
kirchliche Gruppe unteranderm noch verschiedene I-Ieiligenfiguren und Reliefs 
von Aposteln und Wächtern des heiligen Grabes aus steirischen Kirchen und 
gotische Originalglasgemälde, welche von nicht unbedeutendem künstleri- 
schen Wert sind, aus den Kirchen zu Maria-Straßengel und Gratwein bei 
Graz mit verschiedenen zumeist von Architektur umrahmten I-Ieiligendarstel- 
lungen. Bei der kirchlichen Abteilung, als der ersten Gruppe, stellte es sich 
als zweckmäßig heraus, noch über die Renaissance zurückzugeben. 
Die Trennung von der folgenden Eckgruppe, welche geschnitzte 
Renaissancemöbel enthielt, bewirkte die I-Iaas'sche Nachbildung des 
 
Rheinischer Schrank, um x54o (Kulturhistorisches und Kunst- 
gewerbemuseum in Graz) 
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