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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 12)

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sprechen sie wenigstens dem Zustande irgendeiner Zeit ihrer Verwendung, 
wenn auch nicht dem ursprünglichen; hätte man die Teile aber auseinander- 
genommen und wieder zusammengesetzt, so hätte man lauter Unvollständiges 
und den Zustand gar keiner alten Periode erhalten. Es wurden nur einzelne 
Nähte sorgfältig aufgetrennt, um die eingeschlagenen Ränder, wo es un- 
bedingt nötig schien, untersuchen zu können. Es ist begreiflich, daß die ein- 
zelnen Stücke, die heute oft ganz gegen ihre Fadenrichtung eingesetzt sind, 
sich im Laufe der Zeit verzogen haben und daher manchmal um eine Kleinig- 
keit nicht zu stimmen scheinen; doch ist es in allen Fällen klar, daß es sich 
eben um bloßes Verziehen handelt, das sich denn in den einzelnen Partien 
noch deutlich verfolgen läßt. Es sei hier bemerkt, daß die Rekonstruktion 
mittels Durchzeichnungen, die 
auf Pausleinwand mit weicher 
schwarzer Kreide ausgeführt 
worden sind, vorgenommen 
wurde; man hat diese Materia- 
lien gewählt, um die Stickereien 
möglichst zu schonen und doch 
Umrisse zu erhalten, die kräftig 
genug wären, um bei verklei- 
nerter Wiedergabe noch deutlich 
hervorzutreteni". 
Über die außerordentlich 
erscheinende Größe der Kasel 
darf man sich nicht wundern. 
Auch die erst vor kurzem von 
P. Ehrhardt wieder zusammen- KÜSTE: 
gesetzte Kasel aus einem Sarge 
mit den Geheimen des seligen Malerei aus St. Glizvanni in L-aterano, Rom, nach einem 
anusknpte in Mailand 
Valassano, eines ravennatischen 
Erzbischofs aus dem IX. Jahrhunderte, hat ungefähr dieselbe Größe. Nach 
einer Tabelle,die Rohault de Fleury in seinem Werke „La Messe" (VII.,Seite 
179) bietet, scheinen übrigens gerade im XII. und XIII. Jahrhunderte besonders 
große Kaseln beliebt gewesen zu sein; wir erinnern nur an die in Florenz, 
 
 
' Man hat nur bei der Musterung links unten auf Tafel I an Stelle der abgetreppten Linien, wie man sie 
auf dCIAbbÜdllllg auf Seite 633 links unten erkennt, gerade Linien gegeben, weil das Bild bei der Verkleinerung 
sonst allzu verwirrend geworden wäre. - Ein Teil, der zu dem Wenigen gehört, dessen Zusammengehörigkeit 
mit der Kasel bereits von andrer Seite ven-nutet wurde, ist leider noch in den letztenjahrzebnten verloren gegangen. 
In dem angeführten Aufsatze Pfarrer Finsters („Der Kirchenschmuck" x874) heißt es auf Seite 42; „Das vom großen 
Medaillen [der Rückseite der Kasel] weggeschnittene Stück findet sich am Ende des rechten Ärmels an der 
Dalmatika angestiickt, enthält aber den fortgefallenen Teil des Sprucbbandes . . . . Neben diesem Teil des 
Spruchbandes stehen auf diesem abgeschnittenen Stück rechts und links oberhalb zwei mit den unteren korre- 
spondierende Kreisflächen, deren eine die Engelsfigur darstellt mit der sonderbaren Umschrift „Mathias" und 
die andere den geßilgelten Adler mit dem Spruchband „Johannes ". Dieses weggeschnittene Stück mißt in seiner 
Höhe 16 Zentimeter . . . ." Dieser am Ärmel der Dalmatika angesetzt gewesene Teil fehlt, wie gesagt, heute; es 
ist sogar auffällig, daß der eine Ärmel der Dalmatika kürzer ist als der andere. Vielleicht hat irgend jemand das 
Stück einmal abgetrennt, um zu versuchen, ob es wirklich an die Kasel passe, und hat es dann in Verlust 
geraten lassen. 
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