MAK

Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 1)

Für den Kunstsammler 
Franz Wagner 
Anatolische Teppiche 
Die Versteigerung der Sammlung lten-Maritz 
Als sich mit den im 11. Jahrhundert aus ihren 
turkestanischen Stammsitzen aufgebrochenen und in 
der Folge in ganz Vorderasien zur Herrschaft 
gelangten Seldschuken in großem Stil die 
„Teppichmode" eingebürgert hatte, war die Nieder- 
lassung ganzer Knüpferfomilien in den Städten 
Persiens und Vorderasiens die Folge. Jedenfalls 
(so schrieb bereits 1902 Ernst Kühnel in der ersten 
Auflage seines Buches „Vorderasiatische Knüpf- 
teppiche") hat in erster Linie die in Anatolien, das 
heißt im asiatischen Teil der heutigen Türkei, 
seßhaft gewordene türkische Volksschicht ent- 
scheidend zur eigentlichen Entwicklung des Teppich- 
„Stils" beigetragen. 
Bis in das 13. Jahrhundert zurück ist die Tradition 
des anatalischen Teppichs verbürgt durch gut- 
erhaltene Exemplare und Fragmente aus der 
Seldschukenzeit im Türk-ve-lslam Eserleri Müzesi 
in Istanbul sowie in der Mevlana in Konya. Auch 
Marca Polo, der 1271 das Seldschukenreich bereiste, 
sprach davon, daß im Sultanat von Konya „die 
besten und schönsten Teppiche gewirkt werden, 
ebenso Seidenstaffe aus Karmesin und anderen 
herrlichen Farben". Man hat früher gemeint, daß 
die frühen Teppiche von Griechen und Armeniern 
stammten. Heute besteht wohl kein Zweifel mehr 
darüber, daß die in der Ala-ad-din-Moschee in 
Konya und in der Eschrefoglu-Moschee in Beyschehir 
aufgefundenen, qualitativ und musterlich hoch- 
wertigen Teppiche van seldschukischen Fürsten, 
wenn nicht gar vom Sultan selbst in Auftrag gegeben 
wurden. 
Kronzeuge aus dem 13. Jahrhundert ist der wunder- 
bare Konya-Seldschuk mit der charaktervollen 
Kufi-Borte, der, obwohl etwas altersgeschwächt, in 
seiner vollen Größe von 512 x 286 Zentimetern 
erhalten blieb. Die Entstehung des Teppichs um das 
Jahr 1220 kann wahl mit der Fertigstellung der 
Alö-ad-din-Maschee, des imposantesten Bauwerkes 
der Seldschuken, in Zusammenhang gebracht 
werden. Die in einem heute noch leuchtenden lndigo 
gestochen schön geführten Kufi-Formen dominieren 
schon von ihrer Dimension und Prägnanz her den 
Teppich. 
Es is: möglich, wie Kurt Erdmann meinte, daß die 
archaische Größe, die diese „Konya-Seldschuks" 
auszeichnet, eine Eigenart der anatalischen 
Produktion war; „eine solche Monumentalität ist nie 
wieder erreicht worden". Die Konya-Teppiche sind 
für uns ohne Vorstufen. Ebensawenig können wir 
beurteilen, wie sie sich zu den gleichzeitigen 
Teppichen Persiens verhalten haben, da wir kaum 
Beispiele besitzen. Das Urteil Marco Polas, der aus 
Persien nach Anatolien kam, legt nahe, daß 
wesentliche Unterschiede bestanden. Einen einwand- 
freien Beleg für den schon frühen Export 
dieser Konya-Teppiche bildet ein Detail in Giottos 
Fresken in der-Arenakapelle in Padua; wahrschein- 
lich benutzte Giatta einen der urkundlich nachweis- 
baren Teppiche, die Venedig anlößlich der Ein- 
weihung 1305 zur Verfügung stellte, als Vorlage. 
Im Laufe des 14. Jahrunderts schob sich unter den 
zehn Emiraten, in die das Reich der Rumseldschuken 
zerfallen war, das der Osmanen an die Spitze. 
Die Niederlage von Ankara (1402) hat diese Ent- 
wicklung nur kurz aufgehalten, ihren Abschluß fand 
sie mit der Einnahme Konstantinopels. Der früh- 
osmanische Teppich verwendete nur geometrische 
Muster, die anatalischen Tierteppiche des 
14. Jahrhunderts verschwanden auf Grund der 
Figurenfeindlichkeit der Osmanen wieder. Im Laufe 
des 15. Jahrhunderts kristallisierten sich zwei Typen 
heraus: die eine mit kleinteiligem Wechsel von 
Oktogonen und Rauten in versetzter Reihung, die 
andere mit einfacher Reihung großer Quadrate, in 
die füllende Okfogone eingezeichnet sind. Zu diesen 
beiden trat am Anfang des 16. Jahrhunderts eine 
weitere Art, die bei anderer Zeichnung der Einzel- 
formen wieder auf versetzter Reihung von Oklogon 
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Konyo-Garten, um 1925. 
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als Gebetsteppich ar 
191 x 117 cm 
Konya-Cicim (Detail), l 
Stickerei auf drei getn 
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392 x 157 cm 
Manyas, um 1900. Klei 
mehrheitlich unter Bergt 
ich bekannt und benun 
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Can (Ausschnitt), um 1 
sanderes Merkmal des 
Forbkompasition Rostr 
Grün, Originalmaße 183 
Cunakkale [Ausschnitt], 
4900. Knüpfkunst im B: 
westunotolischen Ikone 
meist geometrisch dam 
Originalmaße 220 x 192 c 
Melas-Medaillan (Aussch 
1875-1900. Rot und G 
stimmen die Forbintensi 
Xinalmaße 169 x 103 cm 
khisar, um 1900-1910. 
forben Rot, Gold, Sil 
helles Blau. 155 x 113 cm
	        

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